Ehepaar Berichtet : Enkeltrick? Nicht mit uns!

Gernot und Doris Gottschalck ließen sich nicht über den Tisch ziehen.
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Gernot und Doris Gottschalck ließen sich nicht über den Tisch ziehen.

Eine angebliche Nichte wollte ein Kieler Ehepaar um 33 000 Euro betrügen. Die Senioren berichten nun, warum sie der Anruferin nicht auf den Leim gingen. Protokollartig erzählen sie, wie die Anruferin sie überzeugen wollte.

shz.de von
23. Juli 2015, 06:00 Uhr

Die Masche ist uralt. Trotzdem fallen immer wieder Menschen darauf herein – auf den Enkeltrick. In der Regel ruft eine Person bei fremden Leuten an, gibt sich als Enkel oder Enkelin aus und bittet „Oma“ oder „Opa“ um Geld, um sich aus einer misslichen Lage zu befreien. Auf perfide Art wird so die Hilfsbereitschaft von Mitbürgern ausgenutzt. Oft sind es ältere Menschen, die sich nicht mehr so gut wehren können oder leicht zu verunsichern sind. Doris und Gernot Gottschalck möchten anderen Mut machen, auf die eigene Intuition zu vertrauen – und Betrügern nicht auf den Leim zu gehen. Sie erzählen, wie eine Anruferin jetzt mit insgesamt vier Anrufen versucht hat, sie über den Tisch zu ziehen. Vergeblich.

Es ist Mittag, viertel vor eins, als bei den Gottschalcks in Kiel das Telefon klingelt. Doris Gottschalck (76) nennt ihren Namen. Eine Frau ist dran. Ihren Namen nennt sie nicht. „Erkennst du deine Nichte nicht?“, fragt sie. „Nein! Die Stimme ist so anders“, antwortet die Kielerin. Die Frau: „Ja, du wirst doch deine Nichte erkennen.“ Die Kielerin: „Nein.“ Mehrfach geht es hin und her. Doris Gottschalck sagt: „Ich habe mehrere Nichten.“ Sie nennt auch den Namen Christina*. Sie denkt sich nichts dabei. „Ja, ich bin die Christina“, sagt die Frau schnell. Und fügt hinzu, sie sei gerade in Neumünster.

Doris Gottschalck stutzt. Ihre Nichte lebt in Paris. Die Frau fährt fort, sie habe sich in Neumünster eine Wohnung gekauft. Nicht für sich, sondern als Geldanlage. Eine Anzahlung habe sie auf ein falsches Konto überwiesen. In zwei Tagen müssten 33  000 Euro bei einem Anwalt eingehen. „Kannst du mir das Geld leihen?“, fragt die Frau. Doris Gottschalck wird immer misstrauischer, ist sich „zu 150 Prozent“ sicher, dass es nicht die Stimme von Christina ist. Auf die Frage, warum ihre Stimme so verändert klinge, erwidert die Frau, es liege an der Verbindung. Und sie sei erkältet. Doch Doris Gottschalck glaubt auch die Geschichte mit der Wohnung nicht. „Da habe ich gesagt, so viel Geld habe ich nicht. Sie wende sich in jedem Fall besser an Onkel Gernot. Und der sei gerade nicht da.“

Das ist geflunkert. Gernot Gottschalck (77) wartet auf den Rückruf. Fünfzehn Minuten später meldet sich die Frau wieder – junge Stimme, sie spricht akzentfrei Deutsch. Der Kieler gibt vor, ihr das Geld leihen zu wollen: „Ich wollte mal sehen, wie es weitergeht.“ Das sei ja ganz prima, freut sich die Frau. Sie sei beim Anwalt in Neumünster und will wieder anrufen. Fünfzehn Minuten später: Rückruf. „Bei welcher Bank bist du eigentlich?“, will die Frau wissen. Gottschalck nennt eine Bank.

Der vierte Anruf: Es geht ans Eingemachte. Gottschalck soll das Geld abheben. „Kannst du das allein erledigen?“, bittet die Betrügerin. Da nimmt das Gespräch eine Wendung. Gernot Gottschalck fordert die Anruferin auf: „Komm doch erst mal her und zeig, wer du bist. Ich kenne dich ja gar nicht – und deine Stimme ist sehr fremd.“ Sie sagt nur: „Bis gleich.“

Die Gottschalcks sprechen mit Verwandten, auch die echte Christina meldet sich aus Paris und bestätigt den Verdacht des Betrugsversuchs. Gernot Gottschalck alarmiert die Polizei. Die reagiert umgehend. Verdeckte Ermittler warten nahe der Haustür auf die Betrügerin. Doch sie kommt nicht, hat wohl Lunte gerochen. „Damit war der Fall gegessen“, sagt Gernot Gottschalck.

Beide wundern sich über die „Frechheit dieser Leute“. Schließlich trat die Frau auch dominant auf. Als sie ihn aufforderte, bei der Bank Geld abzuheben, er aber widersprach, fragte sie: „Willst du mir nun helfen oder nicht?“ Das gefiel dem Kieler gar nicht.

Ein gutes Gefühl bleibt dennoch für beide zurück – dass sie sich nicht haben betrügen lassen. Auch wenn die Frau davonkam. Gernot Gottschalck kann sogar lachen: „Das war viel spannender als ein ,Tatort’“. (* Name geändert)

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