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Asyl in der Wik : Endlich wieder ein Leben ohne Angst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am 15. Oktober flüchtete die fünfköpfige Familie Albarazi aus der syrischen Metropole Hama. Nach mehrwöchiger Odyssee fand sie in Kiel-Wik eine neue Heimstatt. SPD-Ratsfrau Ingrid Lietzow und ihre Willkommen-Initiative halfen beim Start in das neue Leben.

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2016 | 19:04 Uhr

Seit zweieinhalb Monaten in Deutschland, seit acht Wochen in Kiel und seit Jahresbeginn in einer eigenen kleinen Wohnung in der Wik – die fünfköpfige Flüchtlingsfamilie Albarazi hat in der Landeshauptstadt gefunden, was sie in der syrischen Großstadt Hama schmerzlich vermisst hat: Sicherheit und Geborgenheit, Verlässlichkeit und Frieden. Ihre Biografie dürfte in weiten Teilen dem Schicksal vieler geflüchteter Menschen aus dem voderen Orient gleichen. Und sie lässt gleichzeitig erahnen, dass ohne Verbesserung der Lebensverhältnisse vor Ort der Exodus anhalten wird.

Vater Ghali Albarazi (42) hatte in der 550  000 Einwohner zählenden Metropole eine eigene Apotheke, Mutter Sermen (33) arbeitete als Designerin und veröffentlichte Texte in Zeitschriften. Doch mit Beginn des syrischen Bürgerkriegs bekam das Leben eine dramatische Wende. Die Arbeit wurde immer schwieriger, schon die Hilfe für Verwundete erwies sich als lebensgefährlich, weil die Kriegsparteien Hilfe für die Gegenseite unterstellten.

An regelmäßigen Schulbesuch der drei Kinder Farah (12), Karam (15) und Manar (16) war nicht mehr zu denken. Zudem lag die Wohnung in Flughafennähe, dort fielen immer wieder Bomben. Tagelang gab es weder Strom noch Gas, Lebensmittel wurden sündhaft teuer. Und als sich in Hama dann auch noch Banden breitmachten, die in Entführungen und Erpressungen gute Geschäfte witterten, war die Entscheidung gefallen: Die Albarazis schnürten ihr Bündel.

20  000 Euro hat die Flucht gekostet, die am 15. Oktober begann und die Familie zunächst in die Türkei führte. In einem dieser kleinen gefährlichen Boote ging es dann weiter nach Griechenland, in Saloniki bestieg die Albarazis den Flieger nach Mazedonien. Per Bahn oder auch zu Fuß erreichten sie Serbien, Kroatien und Slowenien, wo sie im Niemannsland zwei Tage ohne Essen und Trinken im Freien ausharren mussten. Eine Fast-Tragödie spielte sich an der Grenze zu Österreich ab. Die kleine Farah, vom Vater als Erste über den Zaun gehoben, hatte schon Angst, dass sie ihre Brüder und Eltern nie mehr wiedersehen würde – doch dann ließen die strengen Beamten endlich auch die anderen Flüchtlinge ins Land. Manar zückt sein Handy, er zeigt Videos von den chaotischen Zuständen an dieser Grenze.

In Deutschland strandeten die Albarazis schließlich in der Erstaufnahme in Boostedt bei Neumünster. Von dort ging es ein paar Tage später in die Gemeinschaftsunterkunft der früheren Marineschule im Kieler Stadtteil Wik. Dank der Unterstützung von SPD-Ratsfrau Ingrid Lietzow und ihrer ehrenamtlichen Willkommen-Initiative konnte die Familie schließlich in der Nachbarschaft eine kleine Wohnung beziehen – sämtliches Mobiliar ist gespendet.

„Hier können wir alle in Ruhe schlafen“, übersetzt Dolmetscher Jwan Ahmad die Erleichterung von Ghali und seiner Ehefrau Sermen über die kleine Heimstatt. Sie loben die Hilfsbereitschaft der Deutschen und freuen sich, dass sie ihren Kindern wieder eine Perspektive bieten können. Ingenieure wollen die beiden technik-versessenen Jungs werden, Töchterchen Farah sieht sich bereits als künftige Ärztin.

Vorher allerdings müssen und wollen alle fünf Albarazis Deutsch lernen. „Wir wollen hier arbeiten“, kündigt Vater Ghali an. Und er stellt ausdrücklich fest: „Wir respektieren die Gesetze dieses Landes.“ Alle Flüchtlinge müssten sich dafür schämen, dass ein paar Leute große Probleme machen. Das friedliche Miteinander steht für die Albarazis an erster Stelle. „Richtige Moslems garantieren die Menschenrechte. Alle Menschen sind gleich.“

 

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