380-Millionen-Projekt am Ende : Endgültig: Aus für Stadtregionalbahn

Immer ein politischer Zankapfel gewesen – und jetzt definitiv am Ende: Die Stadtregionalbahn, die Kiel enger mit den umliegenden Kreisen verbinden sollte.
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Immer ein politischer Zankapfel gewesen – und jetzt definitiv am Ende: Die Stadtregionalbahn, die Kiel enger mit den umliegenden Kreisen verbinden sollte.

Kiels Oberbürgermeister erklärt die Idee für gescheitert: Dem 380-Millionen-Euro-Projekt mangelte es an der breiten politischen Unterstützung.

shz.de von
12. Mai 2015, 12:32 Uhr

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer selbst nannte es eine „Zäsur“: Er persönlich schob die Idee der Stadtregionalbahn (SRB) gestern aufs Abstellgleis, erklärte das höchst umstrittene 380-Millionen-Euro-Vorhaben für gescheitert. Grund: „So ein Projekt braucht eine breite politische Unterstützung“, sagte Kämpfer. „Diese kritische Masse hat es nie erreicht.“

Den Anfang des letzten Kapitels schrieb im vergangenen Dezember der Kreistag Rendsburg-Eckernförde. Er entschied, sich aus den Planungen zur SRB zurückzuziehen. Das hatte dem Projekt, das die Landeshauptstadt Kiel auf der Schiene enger mit den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Plön sowie der Stadt Neumünster verbinden sollte, einen schweren Schlag versetzt. Zuvor hatte sich bereits Neumünster aus den Planungen verabschiedet. Notwendige Konsequenz aus der Sicht Kämpfers: Ein „Neustart“.

Gleichwohl betonte Kiels OB gestern, dass er weiterhin auf den Ausbau eines schienengebundenen Verkehrs in Kiel und der Region setzt. In den kommenden zwei Jahren will er in enger Kooperation mit den umliegenden Kreisen den „Masterplan Mobilität“ vorantreiben, hofft auf eine breite Unterstützung. Geprüft werden soll etwa die Realisierung einer über die Stadtgrenzen hinaus erweiterbaren Stadtbahn für Kiel. „Wir sollten uns die Frage stellen, ob Kiel wieder eine Straßenbahn bekommt“, sagte Kämpfer. Geklärt werden soll auch, ob und unter welchen Bedingungen ein Ausbau der Schienenverkehre in Kiel und der  Region möglich ist. „Ich werde mich insbesondere dafür einsetzen, dass der Ausbau der Hein-Schönberg-Bahn jetzt möglichst schnell vorangetrieben wird“, sagte Kämpfer.

Auch wenn Vertreter von SPD, Grünen und SSW auf Rathaus-, Kreis- und Landtagsebene das Aus eher bedauern – man blickt nun nach vorn. Die Perspektiven wollen auch die Landräte in den benachbarten Kreisen, Rolf-Oliver Schwemer in Rendsburg-Eckernförde und Stephanie Ladwig im Kreis Plön, gemeinsam mit Kiel ausloten. „Die Beendigung ist eine folgerichtige und realistische Entscheidung, da die Akzeptanz für dieses Großprojekt in weiten Teilen der betroffenen Regionen nicht vorhanden ist“, sagte Ladwig. Schwemer hielt das Aus für „konsequent. Wir haben genug Themen, die wir intensivieren können.“ Etwa beim Masterplan Mobilität: „Da sollten wir loslegen.“

Über das Ende für die „unsinnige Grüne Bimmelbahn in Kiel“ freute sich indes unmissverständlich der CDU-Verkehrsexperte im Landtag, Hans-Jörn Arp. Christopher Vogt (FDP) konstatierte: „SPD und Grüne haben viel zu lange starrsinnig an der Stadtregionalbahn festgehalten. “ Dadurch sei unnötig viel Zeit und Geld verschwendet worden, um Alternativen zu prüfen und zu planen. Die Planungen für die Stadtregionbalbahn kosteten nach Angaben der Stadt Kiel insgesamt 810  000 Euro.

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