Kieler Woche : Empfang als Zeichen für die russischen Gäste

Stadtpräsident Hans-Werner Tovar lud gestern den Kapitän des Segelschulschiffs „Kruzenshtern“ ins Rathaus – ein symbolischer Akt

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28. Juni 2014, 06:25 Uhr

Er wollte ein Zeichen setzen: Der Kieler Stadtpräsident Hans-Werner Tovar lud gestern demonstrativ zur Kieler Woche den Kapitän und 1. Offizier des russischen Segelschulschiffs „Kruzenshtern“ zum Empfang ins Rathaus – eine Premiere. Sonst genießen nur die internationalen Marineeinheiten, die während der Festwoche traditionell zu Gast sind, diese Sonderbehandlung.

Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise durfte in diesem Jahr jedoch kein russisches Marineschiff an der Kieler Woche teilnehmen. Die von der Stadt eingeladene Fregatte „Boiky“ musste wieder ausgeladen werden. Sie hatte von der Bundesregierung keine Genehmigung bekommen, deutsche Hoheitsgewässer zu befahren. Tovar hatte diese Entscheidung als eine von mehreren Persönlichkeiten auf Stadt- und Landesebene kritisiert. Er weilte während der Entscheidung im Rahmen eines Besuchs in der Kieler Partnerstadt Kaliningrad – Heimathafen der „Kruzenshtern“. Er bekam von „dem Drama“ jedoch nichts mit – aufgrund der Zurückhaltung der Russen. Da die „Kruzenshtern“, 88 Jahre alt, ein ziviles Schiff ist, durfte sie zur Kieler Woche kommen.

Gestern nun war es dem Stadtpräsidenten wichtig, mit den russischen Gästen „im Gespräch zu bleiben, um Vorurteilen vorzubeugen und die Dinge zu vermeiden, die mich während des Kalten Kriegs begleitet haben. Ich halte es mit Andreas Gayk, der schon 1946 sagte: ‚Die Kieler Woche ist eine Werkstatt des Friedens.‘“ Am Nachmittag begrüßte er zusammen mit Hafenkapitän Michael Schmidt Kapitän Michael Eremchenko sowie den 1. Offizier Pavel Okolokulak in seinem Dienstzimmer. Es wurden freundliche Worte gewechselt – kein russischer Kommentar zur „Boiky“: „Es ist uns eine große Ehre“, bedankte sich Eremchenko für die Einladung. „Wir freuen uns in Kiel zu sein – fast unsere zweite Heimatstadt.“

Die „Kruzenshtern“ nimmt heute Vormittag an der Windjammerparade teil.

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