Mehrbelastungen für Besserverdiener : Eltern müssen ab 2015 mehr für Kita zahlen

Auch für das  Mittagessen müssen Eltern bald tiefer in die Tasche greifen.
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Auch für das Mittagessen müssen Eltern bald tiefer in die Tasche greifen.

Von der neuen Gebührenregelung sind 14.100 Kieler Kinder betroffen. Es soll laut Sozialdezernentin ein gerechteres System sein, dass Besserverdiener zur Kasse bittet, während die „untere Mittelschicht“ entlastet wird. Auch das Mittagessen wird ab 2015 teurer.

shz.de von
07. Juni 2014, 12:11 Uhr

Kiel | Schlechte Nachrichten für Kiels Eltern: Während in Hamburg fünf Stunden Kinderbetreuung inklusive Mittagessen ab August kostenlos sind, die Kinder in Berlin die letzten drei Jahre vor der Schuleinführung sogar ganz umsonst in der Kita betreut werden, hebt die Landeshauptstadt pünktlich zum nächsten Jahr die Gebühren für die Betreuung und das Mittagessen an. Das hat der Jugendhilfeausschuss beschlossen.

Der Grund: „Wir wollen die Schieflage der letzten Jahre ausgleichen“, sagt die neue Sozialdezernentin Renate Treutel. Demnach würden Besserverdiener nach der bisherigen Gebührenordnung „zu stark subventioniert“ und „müssen jetzt in die Verantwortung gezogen werden“, untere Einkommensgruppen sollen dafür stärker entlastet werden. Seit acht Jahren, so Treutel, sind die Betreuungskosten unverändert geblieben – trotz steigender Betriebs- und Personalkosten. Das soll sich ab 1. Januar 2015 ändern: Der Preis pro Betreuungsstunde für unter Dreijährige steigt dann von 30 auf 40 Euro, für über Dreijährige von 30 auf 31 Euro. Treutels Begründung: „Die Gebühr muss im Verhältnis zum Aufwand stehen, und der ist bei den U3 wesentlich größer.“ Der Preis für das Mittagessen steigt von bisher 28 Euro auf nun 40 Euro. Für Menschen mit Bildungs- und Teilhabescheinen bleibe es wie bisher auch bei 20 Euro.

Wie funkrioniert nun die neue Sozialstaffelregelung – zwei Beispiele: Eine Alleinerziehende mit einem Familieneinkommen von 1600 Euro zahlt ab nächstem Jahr für ihren zweijährigen Sohn (U3) nicht 196 sondern nur noch 74 Euro (-122 Euro) für einen Vollzeitplatz inklusive Essen. Die Alleinerziehende mit einem Familieneinkommen von 1950 Euro muss für ihren Dreijährigen künftig 18 Euro mehr zahlen. Ein besser verdienender Vier-Personenhaushalt muss künftig tiefer in die Tasche greifen: Für einen Vollzeit-U3-Platz zahlen sie bei einem Familieneinkommen von 4500 Euro 105 Euro mehr.

„Das neue System ist individueller, wir orientieren uns bei der Berechnung jeweils an den individuellen Ausgaben der Familie“, erklärt Sachbearbeiterin Kerstin Herrmann-Schulze. So könnten im neuen System auch die Fahrtkosten geltend gemacht werden.

Der Höchstsatz, den Eltern zahlen müssen, wenn sie 550 Euro über der jeweiligen Einkommensgrenze liegen, beträgt für U3 künftig 320 Euro plus 40 Euro Essensgebühr; für über Dreijährige 248 Euro zuzüglich Essensgeld.

Die Stadt erhofft sich mit der „gerechteren Staffel“, dass die Kassenreste kleiner werden und keine neuen hinzu kommen. Derzeit sitzt Kiel auf knapp einer halben Million, weil einige Eltern keine Essensbeiträge und teils auch Betreuungsgebühren gezahlt haben oder nicht zahlen konnten. Auch der Bürokratieaufwand durch zusätzliche Anträge auf „Übernahme uns Erlass“ der Kosten soll zurückgehen, da die Sozialstaffel laut Herrmann-Schulze für viele günstiger sei.

Die Einnahmeausfälle, die der Stadt dadurch fehlen (rund zwei Millionen Euro), können laut Treutel mit der geplanten Kostenerhöhung gedeckelt werden. Von der Änderung sind insgesamt 14.100 Kinder betroffen.

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