Seebadeanstalt Holtenau : Eiskalter Schwimm-Start ins neue Jahr

Henrike Götz aus Holtenau begrüßte gestern 2015 mit einem selbst gebastelten Schild.
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Henrike Götz aus Holtenau begrüßte gestern 2015 mit einem selbst gebastelten Schild.

Das dritte Neujahrs-Anbaden an der Seebadeanstalt Kiel-Holtenau hat viele Besucher angelockt. 40 Teilnehmer wagten sich ins fünf Grad kühle Wasser.

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02. Januar 2015, 05:22 Uhr

Der eine prustet, der andere stößt einen kleinen Schrei aus. Die meisten aber steigen gelassen die Holztreppe ins fünf Grad kalte Fördewasser hinab. Wenige verwegene Schwimmer geben sich den Kälteschock per Kopfsprung. Ein paar elegante Schwimmzüge, kurz den Kopf unter Wasser, ein freundliches Winken, und dann stapfen die meisten Anbader mit erhobenem Haupt, einem stolzen Lächeln im Gesicht und mit kräftig durchbluteter Haut wieder an Land.

Gestern Mittag, 11. 30 Uhr, am Steg der Seebadeanstalt in Kiel-Holtenau: Das dritte Neujahrs-Anbaden hat nach Angaben der Veranstalter rund 40 Teilnehmer angelockt: „Es sind noch mehr als im letzten Jahr gekommen“, berichtet Ralf Mothil von den „Freunden der Seebadeanstalt“. Zum dritten Mal haben sie das kleine, aber feine Anbaden organisiert. Mittlerweile hat sich allerdings herumgesprochen, dass man bei freiem Eintritt und kostenfreiem Punsch einiges geboten bekommt.

Die Schwimmer freuen sich nicht nur über den Frische-Kick, sondern auch über den Respekt der Zuschauer. Und die Zaungäste, die lieber trockenen Fußes am Steggeländer bleiben, können sich die Hände in den Handschuhen und die Augen reiben: Ja, da stolziert doch tatsächlich einer der Herren nur im Adamskostüm aus dem Wasser. Als er auf der Treppe steht, dreht er sich um, streckt beide Arme weit aus und präsentiert seinen nicht mehr ganz jungen, aber gebräunten und trainierten Körper beifallheischend dem Publikum.

Still, aber fröhlich macht wenig später Henrike Götz ein paar Schwimmzüge durch die Ostsee, hält dabei ein selbst gebasteltes Schild in der einen Hand. „Frohes neues Jahr 2015!“, steht dort geschrieben, und nur zu gern lässt die Holtenauerin sich zur Erinnerung damit ablichten. Mit einer Thermoskanne Kaffee in der Hand erzählt sie hinterher, warum sie schon drei Mal dabei war: „Es ist eine Sucht!“, jubelt die 49-Jährige, die das Winterbaden offensichtlich gar keine Überwindung kostet. „Mindestens zwei Mal die Woche“ gehe sie schwimmen, sagt Henrike Götz. Sie glaubt, das liege ihr in den Genen. Ihr Vater habe das auch schon so gemacht. Das Gesicht strahlt – von den „Glückshormonen“, sagt sie. Heiße Dusche? Braucht sie nicht – „ich bin warm“. Auch ein 71-jähriger Kieler, der nach dem Abtauchen noch lange mit bloßem Oberkörper auf dem Steg steht und lieber anonym bleiben will, schwört auf das Schwimmen im Winter: „Wenn Sie gebadet haben, haben Sie hinterher keine Schmerzen mehr.“

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