Eisenbahnbrücke hängt am Haken

Entscheidender Augenblick: Zwei Krane lassen die Eisenbahnbrücke über der Gutenbergstraße schweben. Die Vorbereitungen dauerten Stunden (siehe kleine Bilder). Und auch das Absenken auf den Tieflader war sorgfältige Maßarbeit.
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Entscheidender Augenblick: Zwei Krane lassen die Eisenbahnbrücke über der Gutenbergstraße schweben. Die Vorbereitungen dauerten Stunden (siehe kleine Bilder). Und auch das Absenken auf den Tieflader war sorgfältige Maßarbeit.

Das 60 Tonnen schwere Teil wird auf ebener Erde generalüberholt, im Mai wieder eingesetzt und gehört dann zur neuen Velo-Route

shz.de von
11. März 2015, 11:48 Uhr

Das war echte Maßarbeit. Die beiden Kranführer Michael Hinrichsen und Rüdiger Stahnke hoben in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch äußerst behutsam die alte Eisenbahnbrücke über der Gutenbergstraße aus ihrem Bett und setzten das 60-Tonnen-Stück auf einen Tieflader. Jörg Behme, beim Kieler Spezial-Unternehmen Sünkler zuständig für Krane, lobte die passgenaue Arbeit seiner beiden Kollegen: „Erfahrung ist eben Gold wert.“

Die Brücke gehörte einst zum „Anschlussgleis West“, hier rollten vor Jahren die Waggons ins Gewerbegebiet am Grasweg. Heute hat die Bahnstrecke ausgedient, auf ihrer Trasse entsteht die „Veloroute“ – eine Art Schnellstraße für Radfahrer, die sich um Autos und Ampeln nicht kümmern müssen. Die Stadt rechnet auf der Strecke, die an der Universität vorbei bis zum Holsteinstadion führen soll, künftig mit Tausenden von Pedalisten täglich. Fußgänger und Jogger dürfen die Piste ebenfalls nutzen, aber nur am Fahrbahnrand.

Die ausgehängte und mittlerweile auf dem Mittelstreifen der Eckernförder Straße abgelegte Brücke wird generalüberholt: entrostet, neu angestrichen, von den seitlichen Eisenstegen befreit. Auch die Brückenlager werden ersetzt und für die nächsten Jahrzehnte präpariert. Mitte Mai soll die Brücke wieder eingesetzt werden, dann müssen die Sünkler-Experten um Jörg Behme mit ihrem schweren Gerät erneut anrücken.

Die Gesamtkosten liegen nach Angaben der Stadt bei etwa 800  000 Euro. Bei den Arbeiten direkt an Ort und Stelle wäre es kaum günstiger geworden. Etliche Meter über dem Erdboden wäre die Sanierung umständlicher, außerdem hätte das Gerüst mehrfach umgesetzt werden müssen. Behinderungen auf der Straße wären die Folge. Und die Stadt erinnert auch daran, dass das Land die Veloroute als Vorzeigeprojekt fördert und zwei Drittel der Kosten übernimmt.
 

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