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Neuer Stellenplan : Einstellung auf Vorrat – 272 Jobs im Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der erweiterte Stellenplan im Rathaus soll den Nachwuchsmangel verhindern, der in wenigen Jahren droht. Dann nämlich gehen viele erfahrene Hasen der Verwaltung in Ruhestand – und mit der Nachfolge könnte es dann schwierig werden.

Wie kann eine hochverschuldete Stadt wie Kiel den Stellenplan so stark aufblähen? Das fragten sich viele Kritiker angesichts der Ausschreibung von über 270 neuen Stellen bei der Verwaltung. Die Opposition lief bei der Haushaltsdebatte auf der jüngsten Ratsversammlung Sturm gegen dieses Vorhaben (wir berichteten). Kämmerer Wolfgang Röttgers sieht im Jobbeschaffungsplan allerdings ein Mittel, frühzeitig dem drohenden Mangel an kompetenten Mitarbeitern vorzubeugen. Sein Konzept könnte in den nächsten Jahren aufgehen.

Umgerechnet auf Vollzeit, sollen genau 272,6 Stellen neu entstehen. Viele sind auf Teilzeit ausgeschrieben, daher die krumme Zahl. Mit 135,5 neuen Jobs ist nahezu die Hälfte für die Flüchtlingsarbeit vorgesehen. Die Stadt rechnet damit, dass auch in diesem Jahr wieder Tausende Asylbewerber etwa aus Syrien nach Kiel kommen oder zumindest während des Transits nach Skandinavien in der Fördestadt Station machen. Die Erstattung der Kosten erhofft sich die Stadt von der Landesregierung.

Weitere neue Jobs sind etwa in den Kindertagesstätten vorgesehen (15,5 Planstellen), bei der sogenannten „Schulischen Assistenz“ (20), beim Brandschutz und den Rettungssanitätern (19). Und um dem Bedarf der „wachsenden Stadt“ (Oberbürgermeister Ulf Kämpfer) gerecht zu werden, entfallen weitere 42 Planstellen auf die Stadtplanung und die Bauverwaltung. „Das alles bekommen wir gewuppt“, hatte Kämpfer gesagt.

Die Antwort blieb nicht lange aus. Für Stefan Kruber (CDU) hat die Verwaltungsspitze im Rathaus „jegliches Maß verloren: Sie gönnen sich den großen Schluck aus der Pulle, sagen aber nicht, wie es weitergeht.“ Die FDP wollte, wie es Christina Musculus-Stahnke ausdrückte, „nicht in Mithaftung für einen rot-grün-blauen Haushaltsplan“ genommen werden.

Mit dem Plus im Stellenplan will Röttgers auch dem extrem hohen Krankenstand bei den städtischen Beschäftigten entgegenwirken. „Sehr viele der neuen Stellen werden auch zu einer deutlichen Entlastung von häufig überbeanspruchten Kolleginnen und Kollegen führen. Das ist gut so. Und das ich wichtig“, hatte der Kämmerer erklärt. Gleichzeitig begegnete er dem Verlangen der Opposition, die neuen Stellen aus Kostengründen als befristete Zeitverträge auszuweisen. Er wies darauf, dass 180 der neuen Stellen – also etwa zwei Drittel – einen „kW“-Vermerk tragen. „kW“ ist das verwaltungs-interne Kürzel für „Keine Wiederbesetzung.“

Laut Röttgers geht in den nächsten Jahren nämlich ein Großteil der erfahrenen Leistungsträger der Verwaltung in Rente. Um aber Kontinuität zu sichern, müsse man früh gegensteuern. Und genau aus diesem Grunde werden die neuen Stellen – sollten die Aufgaben entfallen – zwar nicht wiederbesetzt. Die neuen Verträge aber sind (nach der Probezeit) unbefristet, gute Mitarbeiter könnten rechtzeitig andere Posten in der Verwaltung übernehmen. Röttgers gegenüber unserer Zeitung: „Wir müssen uns diese Kapazitäten sichern.“ Soll heißen: Der aktuelle Beschäftigungsplan mit seinen 272 neuen Stellen dient bereits heute dazu, dem drohenden Nachwuchsmangel in vier oder fünf Jahren zu begegnen.  

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erstellt am 21.Feb.2016 | 12:58 Uhr

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