Antrittsbesuch : Einschulung für den Minister

Bernd Buchholz (Mitte) mit Schulleiter Jürgen Ströh (links) und Stellvertreter Stephan Meyer vor einem Elektrobus im RBZ Technik
Bernd Buchholz (Mitte) mit Schulleiter Jürgen Ströh (links) und Stellvertreter Stephan Meyer vor einem Elektrobus im RBZ Technik

Wirtschafts-Fachmann Bernd Buchholz machte gestern in Gaarden seine ersten Gehversuche in der Welt der beruflichen Bildung. Er setzt in die Berufsschulen auch die Hoffnung, dass sich wieder mehr Nachwuchs für die Ingenieure findet..

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24. Januar 2018, 19:00 Uhr

Es ist sein erster Schultag: „Mit freier, noch unbespielter Festplatte“, wie er selbst fröhlich formulierte, hat Bernd Buchholz am Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) Technik in Kiel-Gaarden gestern erstmals als Minister einen Fuß in eine Schule gesetzt. Es ist eine vorsichtige Annäherung an ein neues Aufgabengebiet. Denn neben Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Tourismus wird der FDP-Politiker laut Koalitionsvertrag künftig auch für die berufliche Bildung zuständig. Die Jamaika-Parteien versprechen sich davon eine engere Verzahnung dieser Lehranstalten mit der betrieblichen Praxis.

So bringt denn der einstige Bertelsmann-Manager auch gleich Management-Sprech in seine ersten Gehversuche auf schulischem Gelände ein: Er nennt die berufsbildenden Schulen „ein irres Asset“ und meint damit so etwas wie einen besonderen Wert in der Bildungslandschaft. Allerdings sei dieser Wert gegenüber den allgemeinbildenden Schulen in der Vergangenheit „nicht so gleichwertig betont worden, wie es nötig wäre“. Das möchte der Liberale ändern.

Unter anderem in der Hoffnung, dass sich aus den praktisch orientierten beruflichen Schulen wieder mehr dringend benötigter Ingenieurs-Nachwuchs findet. Aber auch wenn es darum geht, jungen Menschen überhaupt zu einem Schulabschluss zu verhelfen, will der Minister diesen Typ Schule noch stärker in die Pflicht nehmen. Rund 3000 unter 25-Jährige blieben im letzten Jahr ohne Abschluss – „das treibt mich um“.

Einfach, so wird im Gespräch mit Schulleiter Jürgen Ströh schnell deutlich, hat es das RBZ Technik nicht. Rückläufige Azubi-Stellen in Betrieben hätten auch die Zahl der Schüler fallen lassen. Lehrkräfte im Bereich IT zu finden, sei „ein Riesenproblem“, da Experten in der Wirtschaft mehr verdienten und größere Freiheiten hätten. Ebenfalls im Sinkflug: der Zweig des beruflichen Gymnasiums. Innerhalb von vier Jahren haben sich die Zahlen mehr als halbiert. Man spüre die Konkurrenz durch Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe, erklärt Ströh. Andere berufliche Schulen, die „weichere“ Profile etwa für Gesundheit anböten, hätten es im Wettbewerb leichter als die als schwierig geltende Sparte Technik. Auch das Image bei Eltern sei verbesserungswürdig: Viele zeigten sich erstaunt, wenn sie erfahren, dass in der Technik-Schule niemand im Blaumann herumläuft.

Buchholz nutzt seinen eigenen Blick von außen auch zur Vermittlung unbequemer Einsichten für die RBZ-Führung: Man möge sich doch nichts vormachen – „die Diversifizierung all dieser Bildungsgänge und Abschlüsse kann da draußen wohl kaum jemand nachvollziehen“, meint er, als sich das Gespräch in der Komplexität von sieben verschiedenen Richtungen und ihrer Kürzel zu verlieren droht. Nicht nur der schulischen, auch der betrieblichen Seite der dualen Ausbildung legt Buchholz mehr Anstrengungen in der Kommunikation nach außen nahe: Wer wolle denn heute noch derart altertümlich als „Jungmeister“ oder „Geselle“ bezeichnet werden, wie es das Handwerk tue, fragt er – und ruft nach Modernität.

Einen Beweis, dass die Verzahnung mit seinem Ressort einen praktischen Mehrwert bringen kann, erbringt Buchholz als Abschiedsgeschenk: Als der Schulleiter klagt, es sei schwierig, für einen E-Bus der Lehrwerkstatt an Wasserstoff zu kommen, da meldet sich in Buchholz umgehend der Wirtschaftsminister und verspricht: Er kenne doch bestens den Chef einer Firma in Nordfriesland, die Wasserstoff als Antrieb für Motoren vertreibt. Da könne er bestimmt etwas machen . . .

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