Bomben-Entschärfung : Einsatz mit Fingerspitzengefühl

Bombe entschärft: Oliver Kienast (r.) und Heinz Kollath neben der englischen MC 500.
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Bombe entschärft: Oliver Kienast (r.) und Heinz Kollath neben der englischen MC 500.

Nur knapp eine halbe Stunde statt der kalkulierten 45 Minuten benötigten Oliver Kienast und Heinz Kollath, um auf dem Kieler Ostufer eine britische MC-500-Bombe unschädlich zu machen. Der Blindgänger in vier Meter Tiefe hätte mächtigen Schaden anrichten können.

shz.de von
25. Mai 2018, 19:36 Uhr

Es ist geschafft. Eine Dreiviertelstunde hatten die Sprengmeister Oliver Kienast und Heinz Kollath einkalkuliert, um in Dietrichsdorf auf dem Kieler Ostufer eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg zu entschärfen. Doch der Zünder des Blindgängers ließ sich relativ einfach lösen – die Experten hatten mit erheblich mehr Widerstand gerechnet. Und so erreichte Oliver Pohl von der Kieler Polizei an der Toni-Jensen-Schule nach nicht einmal 30 Minuten der erlösende Anruf: Bombe unschädlich gemacht.

Die Schule war das Auffangquartier für jene 50 Bewohner, die während der Arbeiten an der britischen Kriegsbombe ihre Wohnungen zu räumen hatten und nicht bei Verwandten oder Freunden unterkommen konnten. Das Seniorinnen-Trio Traute Thomsen (85), Gisela Buttgereit (90) und Marlene Deckert (83) etwa wartete bei einem Becher Kaffee geduldig das Ende der Entschärfung ab. Danach machten sich die drei Frauen, die seit Jahrzehnten in Dietrichsdorf wohnen, wieder auf den Rückweg in ihre vertrauten Wände.

Üblicherweise schießt Kienast nach erfolgreicher Mission eine Leuchtrakete in den Himmel. Darauf wurde gestern wegen Brandgefahr nach der langen Trockenheit verzichtet – das Handy kam zum Einsatz. Der erste Anruf galt der Polizei, um offizielle Entwarnung zu geben. Mit dem zweiten informierte Kienast seine Frau: Alles gutgegangen, du musst dir keine Sorgen mehr machen.

Denn ungefährlich ist das Entschärfen nicht. Rund die Hälfte der 250 Kilo schweren Aufschlagzünderbombe besteht aus Sprengstoff. Der Blindgänger wurde bei der Auswertung alter Aufnahmen in vier Meter Tiefe entdeckt. Wäre das Stück irgendwann hochgegangen (etwa weil ein Baubagger daran kratzt), hätte sie wohl einen mächtigen Krater gerissen.

Schätzungsweise 90 bis 100 gefährliche Relikte aus Kriegszeiten hat Kienast bereits unschädlich gemacht. Diesmal überließ er die Arbeit komplett seinem langjährigen Assistenten. Heinz Kollath erkannte, dass der Zünder der britischen „MC  500“ gestaucht war – nicht unüblich für Bomben, die sich ohne Explosion in den Boden bohren. Doch die Spitze und die Übertragungsladung ließen sich mit dem üblichen Werkzeug herausdrehen, der schwere Drehmoment-Schlüssel kam nicht zum Einsatz. Kollath freute sich, dass bei seinem ersten Einsatz als verantwortlicher Entschärfer alles rund gelaufen ist. Er hatte sich bereits am Morgen seine Belohnung für den Feierabend gesichert: Mit einem Warsteiner-Bier aus dem Kühlschrank wollte er zu Hause die gelungene Entschärfung feiern.

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