Kannwas statt Euro : Einkauf mit eigener Währung

So sehen die alternativen Scheine aus: Torsten Dudda (rechts) akzeptiert in seiner Lornsen-Apotheke die Währung, die Frank Schepke als Antwort zum Euro entworfen hat.
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So sehen die alternativen Scheine aus: Torsten Dudda (rechts) akzeptiert in seiner Lornsen-Apotheke die Währung, die Frank Schepke als Antwort zum Euro entworfen hat.

Ex-Olympiasieger Frank Schepke hat mit dem „Kannwas“ ein alternatives Zahlungsmittel zum Euro entwickelt. Es soll anders als der Euro, der zur Bank getragen wird, ständig im Umlauf bleiben und damit die regionale Wirtschaft stärken.

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15. Dezember 2014, 21:14 Uhr

Torsten Dudda (53), Inhaber der Lornsen-Apotheke an der Holtenauer Straße, war von Anfang an dabei. Die Idee einer „regionalen Währung“, die fortwährend im Umlauf bleibt und auf diese Weise Umsatz und Arbeitsplätze sichert, findet seine Zustimmung. Apotheker Dudda steht nicht alleine. Mittlerweile erkennen Dutzende von Geschäften und Firmen im Großraum Kiel, aber auch in anderen Regionen des Landes das alternative Zahlungsmittel an, das den wohlmeinenden Namen „Kannwas“ trägt und eins zu eins zum Euro eingetauscht werden kann.

Initiator Dr. Frank Schepke ist überzeugt, dass der Kannwas tatsächlich mehr kann als der Euro. Denn der 79-Jährige, der als junger Sportler 1960 gemeinsam mit seinem Bruder Kraft Schepke in Karl Adams legendären Ruder-Achter olympisches Gold gewann, sieht Schwächen und sogar Gefahren im traditionellen Euro-System. Jeder Taler, der zur Bank getragen wird, fehlt nach seinen Worten dem regionalen Handel, die Folge sind wiederkehrende Krisen mit fatalen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze vor Ort.

Schepke und seine Mitstreiter im Verein Regionalgeld haben deshalb festgelegt, dass der Kannwas auf Dauer an Wert verliert. Jedes Jahr um zwei Prozent. Auf diese Weise soll ein stetiger Fluss gesichert werden, es lohne sich einfach nicht, den Kannwas in den Sparstrumpf oder aufs Konto zu legen. Es handelt sich, so Schepke, um „fließendes Geld“, weshalb der 50-Kannwas-Schein als höchster Schein auch ein markantes „F“ auf der Rückseite trägt.

Apotheker Dudda kann mit diesem Konzept gut leben. „Zwei Prozent Abzug sind weniger als bei Kreditkarten“, erklärt er. Auch wenn sich die alternative Bezahlung bei ihm mit schätzungsweise 100 Kannwas pro Monat in Grenzen hält – Dudda hat beobachtet, dass sich die Kunden intensiv mit der Regionalwährung beschäftigt haben. Wichtigster Aspekt für den Apotheker und seine Kannwas-Bezahler: „Das Geld bleibt in der Region.“

Diese Erfahrung hat auch Margareta Pahlke (60) gemacht. Im „Bissfest“, ihrem Naturkost-Geschäft an der Gutenbergstraße, summieren sich die monatlichen Alternativumsätze auf 300 bis 500 „Kannwas“. Sie wünscht sich eine größere Beteiligung an dieser Regionalwährung. Doch nach ihren Worten haben es neue Ideen immer schwer, sich durchzusetzen. Erst recht bei Geldsachen. „Wir kleben stark an unseren Gewohnheiten“, sagt die Laden-Chefin.

Dudda überlegt, wie er mit seinen Geschäftskollegen an der Holtenauer Straße die regionale Währung populärer machen kann: „Vielleicht sollten wir jedem Kunden 50 Kannwas schenken. Damit er sich damit vertraut machen kann.“  

> Schwerpunkte der Kannwas-Verbreitung sind der Großraum Kiel, die Region Rendsburg sowie Ostholstein und Neustadt. Aber, um ein paar Beispiele zu nennen, auch in Preetz, Plön, Ascheberg, Stolpe, Neumünster-Einfeld oder Stockelsdorf lassen sich Waren oder Dienstleistungen mit den Alternativ-Scheinen bezahlen. Die ausführliche Liste aller Akzeptanzstellen findet sich im Internet unter www.kannwas.org.
> Auf den monatlichen Treffen können Euros und Kannwas getauscht werden. In Kiel findet der gemeinsame Kannwas-Tisch immer am ersten Montag im Haus des Sports am Winterbeker Weg 49 statt (nächster Termin: 5. Januar, 19.30 Uhr).
> Ein Kannwas entspricht dem Wert von einem Euro. Scheine gibt es in der Stückelung 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Kannwas. Sie tragen regionale Motive wie den Kieler Hafen oder die Rendsburger Eisenbahnbrücke.

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