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KIeler Woche : Einfahrt auf dem Hubschrauberträger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Redaktionsmitglied Udo Carstens flog im Helikopter zur „Ocean“, die mit 900 Marinern an Bord geradewegs die Kieler Förde ansteuerte. Der Helikopterträger ist ein wahres Ungetüm: 206 Meter lang, 35 Meter breit und mehr als vier Mal so groß wie ein deutscher Versorger.

shz.de von
erstellt am 18.Jun.2016 | 05:37 Uhr

Ganz schön eng und alles andere als bequem, dieser Kälteschutzanzug der britischen Marine. In den steifen Einteilern stapfen wir förmlich über das Rollfeld in Holtenau. Aber die Bekleidung ist Bedingung für den Einstieg in den „Merlin“-Helikopter, der meine Kollegen und mich zum britischen Hubschrauberträger „Ocean“ fliegen wird. Und mit diesem schwimmenden Koloss – 206 Meter lang, 35 Meter breit – geht es dann in die Kieler Förde. Die „Ocean“ ist nahezu das letzte Kriegsschiff, das zur Kieler Woche im Marinehafen in der Wik festmacht.

Wir überfliegen in 300 bis 400 Meter Höhe das Ostufer und die Holsteinische Schweiz, erreichen die Lübecker Bucht, lassen Fehmarn links liegen und setzen schließlich mit einem fühlbaren Ruck an Deck der „Ocean“ auf. Endlich können wir den roten „Overall“ ablegen. Die absenkbare Bühne, dank der auch Hubschrauber im Bauch des Schiffes verschwinden können, bringt uns ein Stockwerk tiefer. Jude Terry, als Logistik-Commander eine von etwa 90 Frauen der 900-köpfigen Besatzung, geleitet uns in die Offiziersmesse. Typisch britisch: Die große Kanne enthält Tee, die kleinere ist mit Kaffee gefüllt.

An der Wand hängen die Porträts von Königin Elizabeth und Prinz Philipp – natürlich ist auch die „Ocean“ ein „her majestic ship“, ein Schiff Ihrer Majestät. Die spaßige Anmerkung, dass man die gut 20 Jahre alten Bilder doch mal aktualisieren könnte, wird diplomatisch-korrekt beantwortet: Auf sämtlichen Einheiten der britischen Kriegsmarine schmücken die gleichen Bilder die Schiffswände. Soll heißen: Das Königshaus sieht überhaupt keinen Handlungsbedarf.

Bei der Führung durch die „Ocean“ geht’s deckauf, deckab. Selbst Oberleutnant Helge Adrian, der deutsche Verbindungsoffizier, und seine beiden Assistentinnen haben Mühe, sich in dem Wirrwarr aus Gängen und Treppen zu orientieren: „Die Größe ist ungewöhnlich, das ist sehr spannend.“ Zum Vergleich: Man könnte zwei deutsche Tender nebeneinander legen und zwei weitere davor – die „Ocean“ würde alle vier schlucken.

Jude Terry stellt die Brandschutzstationen auf dem Hubschrauberträger vor – jeder an Bord ist zum Feuerlöschen ausgebildet –, steuert die zentrale Krankenstation an und bringt die Gäste auch auf die Brücke. Hier wird endgültig klar, wie unsymmetrisch das Schiff konstruiert ist: an Steuerbord sämtliche Aufbauten, an Backbord das Parkdeck für die fest verzurrten Helikopter.

Zum Lunch gibt es natürlich Fish & Chips. Die Crew hat esein bisschen eilig, denn zur Einfahrt in die Kieler Förde muss die gesamte dienstfreie Mannschaft zur Parade auf dem Oberdeck antreten. Militärische Haltung ist angesagt in Höhe des Laboer Ehrenmals. Leuchtturm Friedrichsort wird passiert, und wenig später kommen zwei Schlepper längsseits, die Hilfe leisten beim Anlegen im Marinehafen. Gegen 14.30 Uhr liegt die „Ocean“ fest vertäut an der Mole. Wir verabschieden uns von Bord. Für die Rückfahrt brauchen wir weder Hubschrauber noch Kälteschutzanzüge – die Autos stehen auf dem Parkplatz. 

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