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Landgericht Kiel : „Einer von euch beiden stirbt jetzt“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Landgericht Kiel verhandelte gestern eine Messerattacke . Stefan M. hatte im Dezember 2016 mehrere Male auf sein Opfer eingestochen.

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erstellt am 06.Jun.2017 | 12:48 Uhr

„Ich zer*** dich und deine ganze Familie“ – Mit derben Drohungen dieser Art begann für Stefan M.* am 30. November 2016 eine Nacht, die ihn jetzt fast fünf Jahre seines Lebens in Freiheit kosten soll. Wegen strafrechtlicher Vergehen in vier Fällen – darunter gefährliche Körperverletzung und Diebstahl mit Waffen – verurteilte das Kieler Landgericht den 25-Jährigen gestern zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.

In der Nacht zum 1. Dezember 2016 hatte Stefan M. einen Mann mit sechs Messerstichen so stark verletzt, dass dieser heute infolge seiner körperlichen und seelischen Versehrtheit arbeitsunfähig ist. Vorausgegangen war der Tat auf der Holtenauer Straße der Austausch von Sprachnachrichten zwischen dem Angeklagten und der Zeugin Diana P., in dessen Verlauf sich die beiden alkoholisierten Beteiligten derb beleidigten. Er selbst könne sich aufgrund seines Marihuana- und Alkoholkonsums nicht an den konkreten Verlauf der Auseinandersetzung erinnern, sagte der Angeklagte, gestand aber die an ihn gerichteten Vorwürfe weitestgehend. Auch Diana P. wies erhebliche Erinnerungslücken auf: „Ich weiß nicht mehr, was der Auslöser war für die Diskussion, ich war ziemlich betrunken“, sagte die 19-Jährige schulterzuckend. „Es hat sich alles irgendwie hochgeschaukelt.“

Nach ausdrucksstarken Drohungen verabredeten sich die Streitenden an der Holtenauer Straße vor der Wohnung der Zeugin. Hier wartete Diana P. mit ihrem Freund Torsten H. (26). Als der Beschuldigte eintraf und die verbale Auseinandersetzung auf der Straße zu eskalieren drohte, stellte sich Torsten H. mit der Warnung „Lass meine Freundin in Ruhe“ Stefan M. in den Weg. Dann habe dieser das Messer gezückt, berichtet Torsten H. im Zeugenstand: „Er hat gesagt ,Einer von euch beiden stirbt jetzt, entweder du oder deine Freundin‘, und ich konnte nicht warten, bis er sie trifft.“ Er habe Stefan M.’s Hand gegriffen und versucht, ihn zu schlagen. Dann aber stach dieser mehrere Male zu und verletzte Torsten H. dabei mit sechs Einstichen an der Stirn, der Lendenwirbelsäule, am Arm, Oberschenkel und Knie. „Ich habe Feuchtigkeit im Gesicht gemerkt, aber keinen Schmerz“, so Torsten H. Während Stefan M. das Weite suchte, rief Diana P. Hilfe.

Das rechtsmedizinische Gutachten bewertete die Verletzungen des Opfers als „potentiell lebensbedrohlich“. Vier Tage verbrachte Torsten H. im Krankenhaus, zwei Monate dauerte es bis er wieder richtig laufen konnte. „Aber ich habe noch immer Schmerzen im Knie und kann in der Hand keine Kraft mehr aufbauen.“ Damit ist der 26-Jährige arbeitsunfähig und muss unter Umständen seine Ausbildung zum Anlagenmechaniker ad acta legen. Außerdem machten die immer wiederkehrenden Bilder des Angriffs eine psychotherapeutische Behandlung erforderlich. Eine Entschuldigung von Stefan M. wolle er nicht annehmen, sagte Torsten H.: „Er hat mir Schäden zugefügt, die ich wahrscheinlich mein Leben lang haben werde.“

Stefan M. ist strafrechtlich kein unbeschriebenes Blatt. Der 25-Jährige hat bereits viele Jahre seines Lebens in Erziehungsheimen und Gefängnissen zugebracht. Die Staatsanwaltschaft bemerkte die beispiellose Rückfallquote des Angeklagten. So verbrachte der Waffennarr die vergangenen Jahre vor allem hinter Mauern, statt in Freiheit. Auf Nachfrage des Richters, wie er sich seine Zukunft vorstelle, berichtete der schweigsame Stefan M., er absolviere aktuell einen Kurs in der JVA Neumünster, mit dem er seinen Hauptschulabschluss nachholen wolle, um später eine Maurerlehre zu absolvieren.

Insgesamt fünf Tatbestände, die Stefan M. aus dem Jahr 2016 zur Last gelegt wurden, verhandelte das Landgericht in zwei Prozesstagen. Neben dem Diebstahl einer Wodka-Flasche aus einem Supermarkt mit einem Messer und dem Diebstahl eines Akkuschraubers aus einem Baumarkt zählte auch der Besitz eines Schwertes trotz Waffenbesitz-Verbotes der Landeshauptstadt Kiel zu den Anklagepunkten. Außerdem hatte der Beschuldigte im Sommer ein Foto auf seiner Facebookseite gepostet, das ihn mit einem Schwert und einem auf den Finger tätowierten Hakenkreuz zeigt.

* Namen redaktionell geändert

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