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Wärmespeicher : Eine „Thermoskanne“ für die Fernwärme

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf dem Gelände des geplanten Kraftwerkneubaus entsteht ein massiver Wärmespeicher mit Platz für 190 000 Badewannen-Füllungen Wasser .

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2016 | 06:01 Uhr

Sie arbeiten sechs Tage die Woche, um die Riesen-„Thermoskanne“ der Kieler Stadtwerke bis zum Frühsommer fertig zu bauen: Rund 25 Mitarbeiter lassen seit dem vergangenen September auf dem Kieler Ostufer einen Speicher-Turm für die Fernwärme-Versorgung der Kieler entstehen, der später 60 Meter hoch sein wird – mit einem Durchmesser von 30 Metern. Der zylinderförmige Bau soll laut Plan im Oktober in Betrieb gehen. Wenn sie fertig ist, bietet die Konstruktion Platz für 42  000 Kubikmeter heißes Wasser – damit könnte man gut 190  000 Badewannen füllen.

Die Stadtwerke investieren rund 18,5 Millionen Euro und sichern sich damit nach eigener Aussage wirtschaftliche Vorteile: „Im Speicher kann die im Kraftwerk bei der Stromproduktion erzeugte Wärme flexibel zwischengelagert werden, wenn sie nicht unmittelbar im Fernwärmenetz benötigt wird“, erklärt Stadtwerke-Sprecher Sönke Schuster. Bei Engpässen könne damit die Versorgung der etwa 70  000 Kieler Fernwärmekunden für bis zu acht Stunden sichergestellt werden. Zuerst wird der Speicher mit dem bestehenden Kohlekraftwerk verbunden. Ab 2018 soll dann das geplante Gasheizkraftwerk (GHKW), das voraussichtlich ab diesem Sommer gebaut wird, an den Start gehen. Stadtwerke-Vorstand Jörg Teupen sagte dazu: „Unser Ziel ist es, noch in diesem Jahr mit dem Bau zu beginnen.“ Derzeit laufe noch der Finanzierungs-Prozess. Erst im vergangenen Mai hatten sich die Anteilseigner der Stadtwerke – die Stadt Kiel und MVV Energie – nach monatelangen Verhandlungen auf die Fortsetzung des millionenschweren Neubau-Plans geeinigt.

Zurück zum Wärmespeicher: In einem neuartigen Spiral-Verfahren wächst der tonnenschwere Stahl-Koloss, der auf mehr als 100 rund 20 Meter langen Beton-Pfeilern im Kieler Grund verankert wurde, jeden Tag ein Stück weiter gen Himmel. Etwa einen Meter schaffen die Kräfte pro Tag. Dazu sind 130 massive, rund 3000 Kilogramm schwere und zehn Meter lange Blechplatten notwendig, die mit einer patentierten Technik mittels einer Dreh-Hub-Vorrichtung an Ort und Stelle gebracht und verschweißt werden. „Mit 160 Tonnen Hubkraft wird die gesamte Speicherhülle angehoben und wie ein Karussell gedreht, um gleichzeitig eines der Blechelemente einzusetzen“, so Stadtwerke-Sprecher Sönke Schuster. Fixiert auf Dutzende Dreh- und Hebeelemente, schiebt sich so der komplette Behältermantel auf der vorgegebenen Kreisbahn voran – und wächst nach oben.

Erstmals soll der Speicher im Sommer mit kaltem Wasser befüllt werden, das später 115 Grad Celsius heiß ist. Allein das Befüllen dauert mehrere Wochen. Ist alles dicht, wird der Stahlzylinder isoliert und erhält eine Blechfassade.





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