MUSEUMSNACHT : Eine Stadt war auf den Beinen

Mit Oma und Opa unterwegs: Sonja und Bodo Schulz hatten ihre Enkel an die Hand genommen, um auf dem Campus der FH den Mediendom zu erkunden.  Fotos: Suhr (4), Carstens (3)
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Mit Oma und Opa unterwegs: Sonja und Bodo Schulz hatten ihre Enkel an die Hand genommen, um auf dem Campus der FH den Mediendom zu erkunden. Fotos: Suhr (4), Carstens (3)

Von Jahr zu Jahr wird die Kieler Museumsnacht größer und attraktiver. Die 26 beteiligten Einrichtungen zählten am Freitagabend insgesamt über 48 000 Besuche. Das lässt auf ungefähr 8000 Gäste schließen – so viele waren es noch nie.

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02. September 2018, 19:50 Uhr

Rolf Hildebrandt (74) kennt aus seiner Kinderzeit das zerstörte Kiel. Erinnerungen wurden wach, als er vor der Modell-Ausstellung stand, die die Stadt in den 20er- und 30er-Jahren zeigt. Ehefrau Heidrun stammt zwar aus Berlin, konnte im Maritimen Viertel aber ebenfalls Entdeckungen machen. Denn Gebäude wie die frühere Gelehrtenschule kannte sie bisher nur aus Erzählungen. Die neuen Erkenntnisse haben die Hildebrandts der Museumsnacht zu verdanken, die von Jahr zu Jahr beliebter wird. Stolz konnte Chef-Organisatorin Angelika Stargardt am späten Freitagabend wieder einmal Rekordzahlen vermelden.

Die beteiligten 26 Galerien, Museen und historischen Schiffe zählten insgesamt 47 248 Besuche. Das lässt auf ungefähr 8000 Gäste schließen, denn durchschnittlich „schafft“ jeder von ihnen fünf bis sechs Häuser. Beliebteste Einrichtungen waren diesmal das Zoologische Museum (fast 9000 Gäste) und die Kunsthalle (4200).

Das Schifffahrtsmuseum kam auf 3100. Vor der Tür zeigten – das ist Tradition bei der Museumsnacht – Mitglieder des Landestrachtenverbandes alte Tänze. Nur weniger Meter entfernt bildeten sich lange Schlangen von Menschen, die mit dem historischen Hafendampfer „MS Stadt Kiel“ oder dem Segler „Seestern“ zum Ostufer pendeln wollten.

Im Maschinenmuseum in der Wik dröhnten die Motoren durch die Nacht, wie Museumsleiter Peter Horter sagte. Ruhiger war es bei den kleinen Gästen, die sich einen Licht-Morseapparat bastelten. Unter ihnen Bo (6) aus Hamburg, unterstützt von Opa Norbert Clausen aus Kronshagen. Währenddessen genoss Erke (5) die Tour auf dem alten Hanomag-Schlepper von 1962. Mutter Julia Memme war von ihrer ersten Museumsnacht begeistert: „Das tolle Programm ist sehr gut organisiert“.

Geschichte zum Anfassen erlebte auch Rawen auf dem Campus der Fachhochschule. Dort hatte der Verein „Legio XXI Rapax“, der sich dem Leben der römischen Legionäre widmet, seinen Stand aufgebaut. Rawen durfte den Helm aufsetzen und sogar ein Kurzschwert in die Hand nehmen. „Ganz schön schwer“, staunte der Siebenjährige.

Direkt am Dietrichsdorfer Fähranleger machte der Verein Kieler Theatermuseum auf sich aufmerksam. Der Vorsitzende Siegfried Jacobs, ein Kammerschauspieler, lud Passanten zum historischen Foto an der Theaterwand ein. Sie durften sich am 31. August 2018 fühlen „Wie einst im Monat Mai“ – Uraufführung der Operette von Walter und Willi Kollo war im Oktober 1913.

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