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Kiel

21. Oktober 2017 | 16:42 Uhr

Umsteiger : Eine runde Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Über 600 sichere Stellplätze, dazu eine Werkstatt und der Fahrrad-Verleih: Der „Umsteiger“ gleich neben dem Hauptbahnhof feiert das fünfjährige Bestehen am Sonnabend mit einem großen Fest. Die Einrichtung der Brücke SH meldet zudem erfolgreiche Projekte mit der Rehabilitation.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2015 | 12:46 Uhr

Pendlern, die zwischen Bahn und Drahtesel wechseln, stehen rund um die Uhr über 600 sichere Rad-Stellplätze zur Verfügung. In der angeschlossenen Werkstatt gibt es bei Pannen schnelle Abhilfe, zudem sind die blauen Leihräder stark nachgefragt. Fünf Jahre nach seiner Einrichtung direkt neben dem Hauptbahnhof liefert der „Umsteiger“ die erhoffte Erfolgsgeschichte. Und das gilt nicht nur die Kunden, sondern auch für die Mitarbeiter selbst. Für Oliver Königs etwa ist die Radstation die Basis für die berufliche Neu-Orientierung, für das Umsteigen in eine Zukunft als Radmonteur geworden.

Der 41-jährige Elmschenhagener arbeitete jahrelang als Mediengestalter und Messebauer. Doch dem hohen zeitlichen und psychischen Druck in der Werbebranche war er auf Dauer nicht gewachsen. Alarmsignale wie einen Tinnitus (Hörsturz) konnte er noch übersehen, der Stress mit dem Arbeitgeber summierte sich mit „privaten Baustellen“ dann aber zum Burn-out, der ihn aus der Bahn warf. „Ich hätte es merken müssen. In der Branche war niemand älter als 50 Jahre“, sagt er rückblickend. Und er fügt selbstkritisch hinzu: „Ich habe mich einfach zu stark verausgabt. Weil man eben den Hals nicht vollkriegt.“

Die Radstation, die als „Starthilfe Kiel“ zur Brücke Schleswig-Holstein gehört, bot ihm 2010 eine neue Perspektive. Königs begann hier seine berufliche Rehabilitation. Dabei war von Vorteil, dass er sich mit Drahteseln gut auskennt, er war selbst Radrennen gefahren.

Dank der Kombination von praktischer Arbeit und psychischer Unterstützung fasste Königs wieder Fuß. Johannes Reuters, ausgebildeter Radmechaniker-Meister und technischer Leiter der „Umsteiger“-Werkstatt, brachte ihm die Monteur-Kniffe bei. Mit Erfolg. „Heute erledige ich in der Radstation die gleichen Arbeiten wie angestellten Mitarbeiter.

Im Frühjahr will Königs mit weiteren Beschäftigten der Radstation die externe Gesellenprüfung zum Radmonteur ablegen. Danach Praktika in Fahrrädläden machen und einen regulären Job suchen. Aufs Auto verzichtet er: „Naja, ich will den ökologischen Fußabdruck verkleinern.“ Unterwegs ist er meist mit seinem Rad Marke Eigenbau. 7 Kilo leicht und gut ausgestattet. Nur einen Tacho findet man bei ihm vergeblich. „Das Gerät setzt mich zu stark unter Druck.“

Erfolgreiche „Umsteige“-Geschichten wie bei Oliver Königs zeigen Marc Hohensee die Bedeutung der Einrichtung. Das hat sich in der Branche längst herumgesprochen. Immer wieder empfängt der Leiter für berufliche Rehabilitation bei der Brücke SH Delegationen aus anderen Städten: „Sie lassen sich das Konzept des ,Umsteigers’ erklären.“
 


Die Verkehrswacht bereichert die Veranstaltung „Kiel steigt um“ morgen am Umsteiger mit einem eigenen Sicherheitstag auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofes. Von 10 bis 17 Uhr heißt es „Fahr Rad, aber sicher!“. So können die Besucher bei diversen Aktionen her Selbsterfahrungen mit dem „Toten Winkel“ machen, Rauschbrillen beim Parcours aufsetzen, den Fahrradsimulator ausprobieren oder sich einem Sehtest unterziehen.

Über die Sicherheit hinaus erwartet die Besucher beim Aktionstag vor dem Hauptbahnhof ein buntes Programm. Auch ein fair gehandeltes Frühstück wird angeboten – solange der Vorrat reicht. Zudem peilen Radfahrer aus etlichen Stadtteilen (Ellerbek, Russee, Bücherplatz, Friedrichsort, Schilksee) in einer Sternfahrt den „Umsteiger“ an. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer belohnt die Gruppen mit den meisten gefahrenen Kilometern mit Fahrradbügeln für ihren Stadtteil.

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