Uni-Klinikum Kiel : Eine einzige Tablette pro Tüte

Der Medikamentenplan für Fenja Mustermann: Christina Ernst hält im Reinraumlabor die Tüten hoch.   Fotos: Carstens
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Der Medikamentenplan für Fenja Mustermann: Christina Ernst hält im Reinraumlabor die Tüten hoch. Fotos: Carstens

Mehr Sicherheit, bessere Hygiene, wenig Verwechslungsgefahr: Das Uni-Klinikum stellt auf das „Unit-Dose-System“ für Patienten um. Dabei fällt der Zentral-Apotheke eine entscheidende Bedeutung zu. Im Sommer 2019 muss das neue System stehen.

shz.de von
13. Juni 2018, 19:05 Uhr

Der Medikamentenschieber (oder Medikamentendosierer) für Patienten war gestern. Auch die Zuteilung durch die Schwestern auf der Krankenstation gehört bald der Vergangenheit an. Das Kieler Uni-Klinikum (UKSH) testet zurzeit das zentrale, von der Krankenhaus-Apotheke gesteuerte „Unit-Dose-System“ mit Einzelverpackung einer jeden Tablette. Im Sommer 2019 muss das neue automatische System für die täglich 1000 Patienten stehen. Denn nach dem Umzug ins hochmoderne Zentral-Klinikum sind auf den 60 Stationen keine großen Medikamentenschränke mehr vorgesehen.

Schaltstelle des neuen Systems ist nämlich die UKSH-Apotheke. Bau und Einrichtung der Reinraumlabore haben 7,8 Millionen Euro gekostet. 14 Apotheker arbeiten hier, zwei Ärzte und zwei Dutzende Pharmazeutisch-Technische Assistenten (PTA’s). In der roboterunterstützten Produktion werden Medikamente hergestellt, aber eben auch entsprechend der ärztlichen Rezeptur zusammengestellt und passgenau ans Krankenhausbett geliefert.

Die Vorteile liegen für Jens Scholz, den UKSH-Vorstandsvorsitzenden, auf der Hand: Entlastung der Schwestern und Pfleger, denen bislang die medikamentöse Versorgung oblag, mehr Sicherheit und eine sinkende Verwechslungsgefahr, zudem bessere Hygiene und klare Nutzungshinweise für die Patienten. Da steht dann nämlich auf der Verpackung ganz zweifelsfrei: einmal täglich nach dem Abendessen einnehmen.

Man muss wissen: Der durchschnittliche UKSH-Patient erhält acht Pillen täglich – da kann man schon mal durcheinanderkommen. Die von Swantje Eisend geleitete UKSH-Apotheke prüft zudem jedes ärztliche Rezept auf mögliche Unverträglichkeiten und warnt im Zweifelsfalle die Mediziner.

Nach dem UKE in Hamburg-Eppendorf ist das UKSH bundesweit das zweite Groß-Klinikum mit dem „Unit-Dose-System“. Da die allermeisten Medikamente künftig in Großgebinden angeliefert werden, entfällt eine Menge Verpackungsmaterial. Einerseits. Andererseits machen 1000 Patienten mit jeweils acht Tabletten beachtliche 8000 kleine Plastiktütchen aus. Täglich, wohlgemerkt. Das Material ist zwar recycelfähig, aber zunächst einmal türmen sich die leeren Tüten zu kleinen Müllbergen.

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