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Dänischenhagen bei Kiel : Einbrüche in SH: Bürger schreiben Brandbrief an Torsten Albig

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Norden stiegen die Einbruchszahlen in den Wintermonaten um 40 Prozent. Die Kritik: „Die Täter sind zu schnell auf freiem Fuß.“

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 06:37 Uhr

Kiel | Immer mehr Einbruchskriminalität – jetzt gehen Bürger auf die Barrikaden: 80 Einwohner von Dänischenhagen bei Kiel haben Ministerpräsident Torsten Albig (SDP) und Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) einen geharnischten Brief geschrieben. Beide werden zum Handeln aufgefordert.

Wie sich die Einbruchszahlen 2015 entwickelt haben, hält die Polizei noch unter Verschluss. Nach Informationen unserer Zeitung liegt der Anstieg bei 15 Prozent. Im Norden des Landes hat sich die Zahl in den Wintermonaten sogar um 40 Prozent erhöht.

„Wir können in unserem Wohngebiet nicht mehr unbefangen leben“, sagt Utz Schliesky, Direktor des Schleswig-Holsteinischen Landtags, der die Aktion als Privatperson angestoßen hat – wegen des „drastischen Anstiegs“ von Delikten in den vergangenen Wochen. Neben Dänischenhagen seien auch Kieler Umlandorte wie Strande, Schilksee, Friedrichsort, Altenholz und Heikendorf betroffen.

Ein „erhebliches Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung, Angstgefühle und zum Teil Schlafstörungen bei Kindern“ seien die Folge der Straftaten, heißt es in dem Brief, in dem die Verärgerung offen ausgesprochen wird: „Wenn mit großem Aufwand festgenommene Täter zwei Tage später wieder auf freiem Fuß sind, dann ist das ein Schlag ins Gesicht der Polizei und der Bürger.“

Ein brisanter Punkt, denn das kommt offenbar häufiger vor. Erst am Dienstag hat die Polizei in Flensburg eine Albaner-Bande gefasst, drei Männer und ihre Komplizin. Mit einem Audi waren sie auf Diebestour, im Wagen lagen Bargeld, Schmuck und ein iPhone. Die Staatsanwaltschaft beantragte jedoch keinen Haftbefehl – wegen fehlender Haftgründe. Die Albaner haben einen festen Wohnsitz in Neumünster.

„Mit Blick auf die Wiederholungsgefahr wären Haftbefehle doch vorstellbar?“, fragt Utz Schliesky. Warum verzichtet die Justiz so oft darauf? Immer wieder würden Täter erwischt, die zuvor bereits einmal festgenommen worden seien, heißt es aus dem Kieler Landespolizeiamt mit Blick auf die organisierten Banden. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hat nun gestern scharfe Kritik geübt. Landesvorsitzender Stephan Nietz sprach von „Haftvermeidung“. Grund sei Personalmangel bei der Justiz.

Die Unterzeichner des Briefes fordern vom Land eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik und eine bessere Kooperation von Strafverfolgern und Ausländerbehörden. „Der Brief ist in der Staatskanzlei eingegangen“, sagt Lars Erik Bethge, stellvertretender Regierungssprecher. „Wir werden uns mit dem Sachverhalt auseinandersetzen, dann werden die Absender Antwort erhalten.“

 

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