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Bande vor Gericht : Einbruchserie: Luxus-Uhren und Schmuck als Beute

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im März dieses Jahres sollen vier Männer eine Einbruchserie zwischen Kiel und Neumünster begangen haben. Der Prozess dazu begann gestern am Kieler Landgericht. Nicht alles lief nach Plan.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2014 | 06:12 Uhr

Weil Ermittler Telefonate abhörten, stießen sie auf vier Männer, die im vergangenen März als Bande eine Einbruchserie durch die Mitte und den Osten Schleswig-Holsteins begangen haben sollen. Seit gestern müssen sich die vier Männer albanischer Staatsangehörigkeit zwischen 22 und 44 Jahren vor der 10. Großen Strafkammer am Landgericht Kiel verantworten.

In insgesamt sieben Fällen, die dem Quartett zur Last gelegt werden, brachen die Männer der Anklage zufolge in Wohnungen und Einfamilienhäuser ein, indem sie Terrassentüren aufhebelten. Zwischen dem 10. und 18. März dieses Jahres, so die Staatsanwältin, wurden teilweise mehrfach am Tag Häuser in Neumünster, Eutin, Heikendorf, Felm, Großenaspe sowie Hasenkrug aufgesucht, um dort gewerbsmäßig Beute zu machen.

Das gelang der Bande laut Anklage in den meisten Fällen: Einmal ergatterten die Angeklagten demnach eine teure Omega-Taschenuhr sowie eine Luxus-Armbanduhr im Wert von mehreren Tausend Euro sowie 4400 Euro Bargeld, ein anderes Mal einen Herrenledermantel mit Lammfell. Sie ließen einen Ehering genauso mitgehen wie eine Perlenkette mit Brillantverschluss sowie ein silbernes Collier. Silberbesteck fanden sie in einem weiteren Haus, das sie zusammen mit einer Münzsammlung im Wert von rund 6000 Euro stahlen. Der 44-Jährige „leitete und lenkte die Gruppierung“ laut Staatsanwältin. Er ist der einzige Mann in dem Quartett, der seinen Wohnsitz in Kiel hat. Die anderen drei Angeklagten haben keinen Wohnsitz in Deutschland.

Ob die mutmaßlichen Einbrecher allerdings aussagen werden, ist unklar. Denn die Verteidiger wiesen auf Ermittlungsfehler und zu wenig Zeit hin, sich ausreichend vorzubereiten. Folge: Es hagelte Anträge. So sollte ein Satz aus der Anklage nicht verlesen werden, der nicht belegt sei – was die Staatsanwältin auch einräumte: „Ein Versehen“. Dann wiederum beantragte der Verteidiger des 28-jährigen Angeklagten Rigert K., das Verfahren in drei der Einbruchsfälle einzustellen, da der Name seines Mandanten nicht erwähnt werde: „Er weiß nicht, wogegen er sich verteidigen soll.“ Zudem solle sein Mandant aus der Untersuchungshaft entlassen werden. K. sitzt dort seit sechs Monaten ein. Denn es gebe auch in den vier weiteren angeklagten Fällen keinen dringenden Tatverdacht. „Mein Mandant wird diese Vorwürfe energisch bestreiten“, so der Verteidiger.

Ein weiterer Kritikpunkt: Offenbar gab es zwölf überwachte Telefonate. In der ursprünglichen Akte sei aber nur eines aufgeführt worden. Zudem habe es keine den Vorschriften entsprechende Rechtsbelehrung eines Mandanten bei der Festnahme gegeben. Urteil eines der Anwälte: „Schlecht ermittelt“ – so beschreibt es Atilla Aykaç, der Verteidiger von Skender S. (44). Er spricht von Formfehlern, für die das Gericht nichts könne.

Das Verfahren wird nicht, wie geplant, heute fortgesetzt. Stattdessen wollen sich Kammer, Staatsanwaltschaft und Verteidiger beraten und ab Montag weiter verhandeln.

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