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Verbrannte Frau in Kronshagen : Ein Zeichen gegen Gewalt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr als 200 Menschen gedenken mit Schweigemarsch der getöteten Delali. A.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2016 | 11:12 Uhr

Kiel | Schon lange nicht mehr hat ein Verbrechen in und um Kiel derart erschüttert und fassungslos gemacht wie die grausame Tötung der aus Togo stammenden Delali A. – nicht nur Angehörige, Freunde und Kollegen, sondern auch die Kieler Bevölkerung sind zutiefst betroffen. Am Freitag gedachten in Kiel gut 200 Menschen der Toten mit einem Schweigemarsch.

Die 38-jährige Mutter zweier Söhne wurde am Vormittag des 7. Dezember von ihrem 41-jährigen, ebenfalls aus Togo stammenden Ehemann – beide lebten seit vielen Jahren in Kiel - mit Benzin übergossen und auf offener Straße angezündet. Sie erlag noch am gleichen Tag in einer Lübecker Spezialklinik ihren schweren Verbrennungen.

Nachdem bereits in der vergangenen Woche Gedenkfeiern am Tatort stattfanden, hatte gestern ein breites Bündnis – darunter Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und das Referat für Gleichstellung der Landeshauptstadt – zu dem Schweigemarsch aufgerufen. Die Menschen zogen laut Polizeiangaben still trauernd durch die Innenstadt bis zum Hiroshimapark.

Auch wenn die Trauer um eine ehren- und hauptamtlich in verschiedenen Kieler Projekten im Migrationsbereich engagierte Frau wohl im Vordergrund stand, sollte der Marsch auch ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen. Allein 2015 wurden in Deutschland 331 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, bundesweit hat jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren häusliche Gewalt erlebt. „Häusliche Gewalt ist, wie ich aus meiner Zeit als Familienrichter weiß, ein großes und viel zu oft verborgenes Problem unserer Gesellschaft“, so Oberbürgermeister Kämpfer, der zum Verbrechen an Delali A. sagte: „Diese unfassbare Tat macht mich sprachlos“.

Auch Brigitte Frodermann vom Frauenbündnis Kiel, die die Getötete persönlich kannte, findet kaum Worte. „Man kann nicht wirklich darüber reden. Auch die afrikanischen Männer sind entsetzt und hätten es nie vom Täter gedacht“, so Frodermann. Auch Kieler Bürger, die keinerlei Verbindung zu Delali Assigbley hatten, liefen gestern mit. „Aus Solidarität“, wie Erhard Hopp aus Kiel sagte. „Mir fehlen die Worte und ich bin wütend, dass so etwas gemacht wird“, so der 79-Jährige.

Am Freitagabend nahmen enge Vertraute der Verstorbenen im Gaardener Mehrgenerationenhaus Abschied bei einem afrikanischen Gottesdienst. Am Sonnabend findet in der Universitätskirche am Westring von 11 bis 12 Uhr ein öffentlicher Gottesdienst mit anschließendem gemeinsamen Gang zum Nordfriedhof und der Beisetzung der Verstorbenen statt.


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