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Winterprogramm : Ein warmes Nachtlager in der Kälte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Drei Container sollen Obdachlose nachts vor dem Erfrieren bewahren. Derzeit gibt es 27 in Kiel. Die Zahl der Wohnungslosen steigt: 700 Kieler sind derzeit ohne Mietvertrag – das sorgt die Stadt.

shz.de von
erstellt am 06.Jan.2016 | 18:08 Uhr

Seit Tagen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt – da soll kein Mensch in Kiel die Nacht auf der Straße verbringen müssen. „Das ist lebensgefährlich“, sagt Ulf Kämpfer (SPD). In der Landeshauptstadt gibt es momentan 27 Obdachlose, also Männer und Frauen ohne festen Wohnsitz, die „Platte machen“. Deshalb hält die Verwaltung gemeinsam mit der Evangelischen Stadtmission Kiel wieder drei sogenannte Erfrierungsschutz-Container bereit, die zusätzlich zu den festen Notunterkünften in der Stadt geöffnet sind – nachmittags ab 16 Uhr, bis morgens um 8.

Es gibt Plätze für bis zu 18 Nutzer. Die richten sich an diejenigen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht in die festen Unterkünfte aufgenommen werden können oder wollen. Einige haben laut Kämpfer Hausverbot, „weil sie sich nicht an Regeln halten“. Zurzeit nehmen nach Angaben der Stadtmission pro Nacht zwei bis vier Obdachlose einen Platz in den blauen Metall-Kästen in Anspruch: „Es sind auch Paare dabei“, sagt Reiner Braungard.

Ein Fernseher, ein kleines Regal in der Ecke, ein Radiator, dazu ein schief hängendes Poster an der Wand – das ist die karge Einrichtung des einen Containers. Im zweiten nebenan haben Gäste ihr Lager aufgeschlagen, die dort regelmäßig zu übernachten scheinen. Die Betreuer dulden Isomatte, Schlafsäcke und Decken im Nachtlager. „Wir können sie ja nicht mit all dem Gepäck durch die Stadt schicken“, sagt Ina Achilles von der Stadtmission.

Tagsüber können die Nutzer sich in Stützpunkten wie in der Schaßstraße waschen, aufhalten und stärken. Bei längerer Frostperiode öffnen die Container auch ganztätig. Die Kosten für das Winter-Programm tragen Stadt und Land. Von den 20  000 Euro im Jahr finanziert die Stadt rund 15  000, das Land den Rest. Auch Spenden werden verwendet, etwa für warme Socken oder Schlafsäcke.

Kiels Oberbürgermeister weist zudem auf das Problem der Wohnungslosen hin, die Hilfe bei der Stadt suchen. Es sind Kieler, die, etwa wegen eines negativen Schufa-Eintrags, keinen Mietvertrag bekommen und sich durch Übernachten bei Bekannten über Wasser halten. Inzwischen sind 700 davon in der Landeshauptstadt betroffen. „Weil Kiel wächst, gibt es deutlich steigende Zahlen“, so Ulf Kämpfer. „Unsere Aufgabe ist es zu verhindern, dass aus Wohnungslosen Obdachlose werden.“ Die Stadtmission entwickelt dafür derzeit eine Wohnraum-Agentur für diese Fälle.

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