Ansiedlung in Kiel : Ein Trio kämpft gegen Möbel Kraft

„Ja für die Grüne Lunge am Westring“: Björn Sander (v.l.), Ulrike Hunold und Jan Barg zeigen ihre Kampagnen-Plakate.
„Ja für die Grüne Lunge am Westring“: Björn Sander (v.l.), Ulrike Hunold und Jan Barg zeigen ihre Kampagnen-Plakate.

Die Kieler Initiative gegen eine Ansiedlung des Konzerns Möbel Kraft stellt ihre spendenfinanzierte Kampagne vor. Sie fühlt sich ein bisschen wie im Kampf von David gegen Goliath. Einiges spricht dafür - etwa der ungleiche finanzielle Rahmen der Gegner.

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08. März 2014, 06:23 Uhr

„David gegen Goliath“ – das hören sie jetzt öfter. Drei Kieler Naturfreunde auf der einen Seite, ein Möbel-Konzern auf der anderen. Ulrike Hunold (45), Björn Sander (44) und Jan Barg (39) wehren sich nicht gegen diese Image-Schublade. Mit ihrer Kern-Gruppe von 20 Mitstreitern sowie mehr als 10 000 Unterschriften im Bürgerbegehren hat das Trio immerhin erreicht, dass das Unternehmen Möbel Kraft aus Bad Segeberg sich seiner geplanten Ansiedlung in Kiel nicht sicher sein kann. Und sie haben den ersten Bürgerentscheid der Landeshauptstadt erzwungen. Der Countdown hat begonnen, am 23. März wird nicht nur Kiels neuer Oberbürgermeister gewählt. Es ist auch der Tag der Entscheidung für oder gegen das Möbelmarktzentrum. „Wir glauben, wir haben eine realistische Chance“, sagt Ulrike Hunold optimistisch.

Doch sie wissen auch: Die Stadtverwaltung, die Mehrheit der Kieler Ratsversammlung, Wirtschaftslobbyisten und Gewerkschaften haben sich deutlich für die Ansiedlung des Möbel-Riesen ausgesprochen. In der Innenstadt hat die Verwaltung 400 „Pro“-Plakate aufhängen lassen. Ab Montag kommt die Werbung des Unternehmens selbst hinzu.

David gegen Goliath? Einiges spricht dafür. Schon der finanzielle Aspekt. Hunold, Barg und Sander haben nach eigenen Angaben bisher rund 3400 Euro an Spenden gesammelt, um ihre Kampagne mit dem Motto „Ja+“ für die „Grüne Lunge am Westring“ und gegen die Ansiedlung von Möbel Kraft zumindest teilweise zu finanzieren. Die Gestaltung habe ein Kieler Werbegrafiker spendiert, der nicht genannt werden wolle, sagt das Trio. 80.000 Flyer und 400 Plakate werden nun verteilt und angebracht, zudem gibt es Info-Stände. Vor allem gegen Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) wettern die drei Umwelt-Aktivisten: Er wolle die „Grüne Lunge“ Kiels, den inneren Grüngürtel, ausverkaufen, um mehr Platz für Wohnraum und Gewerbe zu schaffen – Möbel Kraft soll auf einem Kleingartenareal entstehen.

Hunold nennt die Flyer, die in Briefkästen landen werden, „Info-Material“. Den Begriff Werbung mag sie nicht. „Werbung macht das Unternehmen Möbel Kraft.“ Und das macht mal eben 100.000 Euro für seine eigene Werbekampagne locker (wir berichteten). Die Pressekonferenz des Möbel-Riesen wurde vergangene Woche im großen Kieler Gewerkschaftshaus abgehalten. Ins enge BUND-Büro in Kiel lud nun gestern die Gruppe um Ulrike Hunold.

David gegen Goliath – das passt wohl auch deshalb, weil die Gruppe über kein, wie sie selbst sagt, „ echtes Netzwerk“ verfügt. „Wir erfahren zwar breit gefächerte Unterstützung durch alle sozialen Schichten“, sagt Ulrike Hunold. Aber die persönlichen Ressourcen seien begrenzt: „Wir arbeiten, wir haben Familie, wir haben einen Bürgerentscheid.“

Gefreut haben dürfte die drei Kieler, dass die Linke in der Landeshauptstadt gestern eine eigene Kampagne gegen den Möbelmarkt-Bau vorstellte. Motto: Kiel entscheidet, nicht Konzerne.“

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