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Kiel

13. Dezember 2017 | 16:29 Uhr

Ein Stahl-Koloss landet im Dock

vom

Gestern feierte die Werft Abu Dhabi Mar Kiel die Kiellegung der Offshore-Umspannplattform "Baltic II" / Chefin: Auftrag sichert bis zu 250 Jobs

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kiel | Eine Zeitlang, so scheint es, sind die Wolken das einzige, was sich am Himmel hoch über der Werft bewegt. Dann endlich tut sich was. Erst macht es "klink", dann dröhnt mehrfach ein "Klonk" wie von entfernten Hammerschlägen über das Gelände. Beinahe in Zeitlupe schiebt sich das braune, stählerne Ungetüm Meter für Meter über das Dock. Starke Stahlseile am hundert Meter hohen Kran halten den hunderte Tonnen schweren Koloss am Platz, senken ihn bis Dockboden. Bis er passgenau auf den Beton-Pallen sitzt, werden noch 15 Minuten vergehen. Kiellegung nennen das Fachleute.

"Baltic II" heißt die Offshore-Umspannplattform, die gestern bei der Werft Abu Dhabi Mar Kiel (ADMK, gehört zu Nobiskrug in Rendsburg) ins Dock gehoben wurde, ein wichtiger Schritt vor der eigentlichen Inbetriebnahme. Erst wird sie noch beschichtet, verkabelt, mit einem Lüftungssystem ausgestattet.

Der große Stahl-Block ist nur einer von insgesamt fünf Blöcken, die die 40 mal 40 Meter messende selbstschwimmende Plattform bilden. Diese wird Bestandteil des Offshore-Windparks "EnBW Baltic 2" sein, der aus 80 Windkraftanlagen besteht. Im Frühjahr 2014 sollen die Turbinen bis zu 288 Megawatt Windstrom erzeugen und ins Netz einspeisen, der dann 340 000 Menschen mit Öko-Energie versorgen kann. Der Park entsteht 32 Kilometer nördlich der Insel Rügen in der westlichen Ostsee.

Auf der Plattform wird der erzeugte Strom für die Übertragungsstrecke von 33 kV auf Hochspannungsniveau, 150 kV, transformiert. Das macht die Übertragung effektiver, weniger Kabel werden benötigt. Um "Baltic II" zu verankern, werden Füße etwa 50 Meter in den Meeresboden gerammt. Der unbemannte Stahl-Koloss klinkt sich dann selbst ein, soll für 25 bis 30 Jahre Wind und Wetter trotzen.

Das Auftragsvolumen solcher Plattformen liegt nach Aussage von Nobiskrug-Geschäftsführerin Susanne Wiegand (Foto) generell bei bis zu 120 Millionen Euro. "Für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren sichert so ein Projekt in Kiel bis zu 250 Arbeitsplätze", so Wiegand.

Gute Nachrichten nach dem geplatzten Auftrag, der vor wenigen Tagen bekannt wurde (wir berichteten). Der Rohbau einer anderen Umspannplattform für den Windpark Nordsee-Ost war bereits fertig gestellt, als der Siemens-Konzern den zweistelligen Millionen-Auftrag kündigte. Über die Gründe schweigen die Beteiligten. Zur Perspektive für die Konstruktion in Kiel, die nun keine Verwendung mehr hat, sagte die Nobiskrug-Sprecherin Denise Hein gestern nur zwei Worte: "Kein Kommentar."

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