50 Jahre Unikirche : Ein Ort zum Innehalten im Uni-Trubel

Die bunten Scheiben schaffen im Kirchenraum Farbspiele.
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Die bunten Scheiben schaffen im Kirchenraum Farbspiele.

Die Kieler Unikirche feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Bischof Magaard gestaltete jetzt die Predigt in einem Festgottesdienst. Das markante dreieckige Gebäude am Westring ist mehr als ein Hingucker.

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26. Mai 2015, 06:09 Uhr

Steht sie für ein Segel? Für die Dreieinigkeit Gottes? Oder ist sie mehr ein Symbol für die Wahrheitssuche der Wissenschaft? Es lässt sich viel in das bunt leuchtende Gebäude in Form eines Dreiecks interpretieren, das sich Universitätskirche nennt. Optisch ist das Gotteshaus bereits ein Hingucker – aber natürlich „weit mehr als das“, wie Kiels Kulturdezernent Wolfgang Röttgers in seinem Grußwort unterstrich. 50 Jahre nach ihrer Einweihung ist die Kirche mit den farbenfrohen Scheiben, ebenfalls dreieckig, fester Campus-Bestandteil.

Am Pfingstsonntag feierten Bischof Gothard Magaard und Uniprediger Andreas Müller zusammen mit Ehrengästen wie Ministerpräsident Torsten Albig und Wolfgang Röttgers einen Festgottesdienst zum Jubiläum. Die Studentenkantorei der Uni und Mitglieder des Philharmonischen Orchesters der Stadt Kiel begleiteten den Gottesdienst musikalisch. Bis auf den letzten Platz war die Kirche besetzt.

In seiner Predigt wies Magaard auf die Besonderheit der Kirche und die mit ihrem Bau verbundene Aufbruchsstimmung der damaligen Zeit hin. Er zeigte die Verbindung zwischen Universität und Kirche auf: „Der Glaube und diese Kirche sind an der Universität gut aufgehoben“. Und weiter: „Diese Kirche soll auch zukünftig ein Ort zum Innehalten, Beten, Singen und Durchatmen sein – und zum Durchlüften, wenn mal wieder die Köpfe rauchen“. Ministerpräsident Albig betonte in seinem Grußwort: „Glaube, Kirche und religiöse Gemeinschaft sind wichtig für die Menschen. Die Universitätskirche ist seit 50 Jahren ein Ort für Christen, aber auch für Menschen jeden Glaubens.“

In der Vorlesungszeit wird hier jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert, häufig von den Dozenten der theologischen Fakultät gestaltet. Die Räumlichkeiten der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) der Uni und deren Pastorin Regine Paschmann liegen direkt nebenan. Sie werden, abgesehen von Gemeinde- und Themenabenden mit kostenfreiem Abendbrot von einem Gospelchor, einer Tanzgruppe, von Flüchtlingen in Deutschkursen und einer Au-Pair-Mädchen-Vereinigung so gut genutzt, dass Paschmann auf einen Anbau hofft. Die Unikirche selbst gehört keinem Kirchenkreis an und hat keine eigene Gemeinde. Die Nordkirche zahlt jährlich etwa 6  600 Euro, um den laufenden Betrieb zu decken.

1965 wurde das Gotteshaus am Westring anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Kieler Universität gebaut. Damit ist es die einzige Uni-Kirche Deutschlands, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Das heute denkmalgeschützte Gebäude wurde von den Kieler Architekten Herbert Weidling und Erhart Kettner geplant und hat Anklänge an die Berliner Gedächtniskirche. Studierende und alle Interessierten finden es wenige Schritte vom Audimax, der Mensa I und einer beliebten Kieler Kaffeebar-Filiale entfernt. Anekdote am Rande: Weil sie gen Osten spitz nach oben zuläuft, wird die Unikirche auch ironisch „Gebetsabschussrampe“ genannt.

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