Protest gegen Personalnotstand : Ein Koffer für den Gesundheitsminister

In Kiel geht’s los: Der Koffer mit dem Olympischen Brief will auf seiner Tour durch die deutschen Krankenhäuser Tausende von Unterschriften gegen den Personalnotstand einsammeln.  Gruppe 12:44
In Kiel geht’s los: Der Koffer mit dem Olympischen Brief will auf seiner Tour durch die deutschen Krankenhäuser Tausende von Unterschriften gegen den Personalnotstand einsammeln. Gruppe 12:44

Morgen um 12.44 Uhr startet vor dem Städtischen Krankenhaus Kiel eine bundesweite Aktion gegen den Personalnotstand im Gesundheitswesen. Der Olympische Brief mit Tausenden von Unterschriften soll Jens Spahn am 5. Juni in Leipzig erreichen.

shz.de von
08. Januar 2019, 18:52 Uhr



Anfang November hatten die Mitglieder der Aktivgruppe 12:44 Uhr einen Offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eingetütet und abgeschickt (wir berichteten). Zentrale Forderung: Die Krankenhäuser müssen endlich mehr Personal erhalten. Eine Antwort aus Berlin ist bei „12:44“ nicht eingegangen. Deshalb zünden die Initiatoren jetzt die nächste Proteststufe. Morgen, am Donnerstag, startet um 12.44 Uhr vor dem Städtischen Krankenhaus Kiel der „Olympische Brief“. Adressat: Jens Spahn.

Der Koffer enthält neben dem Appell zum Handeln eine 40 Meter lange Schriftrolle, da ist genug Platz für Tausende von Unterschriften. Denn ebenso wie die olympische Fackel von einem Läufer zum anderen gereicht wird, wird auch der Koffer monatelang durch die Republik touren. Er wird schließlich am 5.  Juni in Leipzig bei der bundesweiten Gesundheitsministerkonferenz übergeben.

Im Olympischen Brief heißt es: „Die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, machen krank – und gefährden die Patienten.“ Überall in Deutschland fehle es in den Krankenhäusern an Personal. Die von Spahn vollmundig angekündigten „Personaluntergrenzen“ helfen nicht. Im Gegenteil: Sie verschärfen nach Auffassung der Initiative die Situation im deutschen Gesundheitswesen sogar noch.

„Dieses System ist gewollt. Und Sie, Minister*innen, stehen dafür in der Verantwortung“, erklären die Absender. Sie sehen einen Ausweg aus der miserablen Lage einzig in einer bedarfsgerechten Personalbemessung. Es müsse jedenfalls ein Ende finden, dass „an uns gespart und sich an uns bereichert wird“. Börge Stange, Krankenpfleger auf der Kardiologie, gehört zu den 12:44-Aktiven. Er und seine Mitstreiter erkennen einen eklatanten Unterschied zwischen den öffentlichen Ankündigungen der Politiker und der Realität vor Ort, dem Personalabbau. Das aber müsse sich ändern. Es dürfe einfach nicht sein, dass auf der Station schlichtweg die Zeit fehle, die Hände richtig zu desinfizieren, oder dass Angehörige den Pflegenotstand abfedern.

Nach Einschätzung der Gruppe 12:44 zeigen sich personelle Unterbesetzung und Leistungsdruck in den allermeisten deutschen Krankenhäusern. Doch viele Beschäftigte hätten längst resigniert. Der Olympische Brief mit seinen (mindestens) zwei Dutzend Stationen versteht sich nicht nur als Mahnung an Minister Spahn, er ist gleichzeitig ein hoffnungsvoller Weckruf an die eigenen Kollegen: „Wir nehmen es nicht länger hin!“ Krankenschwester Manuela Rasmussen drückt es so aus: „Ein Krankenhaus ist keine Fabrik – das muss endlich in die Köpfe der Verantwortlichen. Der Mensch gehört in den Mittelpunkt der Gesundheitsversorgung, nicht der Profit.“

Nach den Worten von Christian Godau von der Gewerkschaft Verdi wird die personelle Unterbesetzung auch gar nicht mehr bestritten: „Es ist allen Beteiligten klar.“ Der Protest richte sich deshalb vorrangig nicht gegen die einzelnen Arbeitgeber in Kiel, Hamburg oder anderswo. „Es ist ein Protest gegen die Politik.“

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