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Junger Pastor : Ein Jungspund vor dem Herrn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Georg Taubitz ist einer der jüngsten Priester Deutschlands. Anfang Oktober wurde er in Rom zum Priester geweiht. Am Wochenende, zwei Wochen nach seiner Weihe, hält er seinen ersten Gottesdienst in der Kieler Heimat.

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erstellt am 27.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Georg Taubitz ist einer der jüngsten Priester Deutschlands. In Rom erhielt der 26-Jährige seine Priesterweihe. Der gebürtige Kieler hält nun am Wochenende seinen ersten Gottesdienst in der Heimat. Redaktionsmitglied Andrea Lange hat den jungen Priester des Erzbistums Hamburg getroffen und mit ihm über die Fundamente der katholischen Kirche gesprochen.

Herr Taubitz, war es schon immer Ihr Berufswunsch, Priester zu werden?
Mein Berufswunsch war es zuerst, Musik zu studieren und Hornist zu werden. Ich habe aber schnell bemerkt, dass ich den Biss und die Ellenbogen, die es dafür brauchte, nicht habe. Mit 16, 17 wusste ich nicht so genau, was ich später tun wollte. Wir Kinder sind ganz normal mit der Kirche aufgewachsen inklusive Taufe, Erstkommunion und Firmung, haben mittags und abends gebetet. 2008 auf einer Kinderfreizeit war dann ein Kaplan. In dessen kleiner Messe, die nichts an großer Feierlichkeit hatte, ist es mir kalt den Rücken runter gelaufen und ich habe gemerkt, dass da etwas hintersteht. Das wollte ich auch machen.

Was passierte danach?
Ich kannte niemanden sonst, der sich mal solche Gedanken gemacht hat. Dementsprechend hatte ich Angst, jemandem davon zu erzählen. Der erste war mein Fahrlehrer, weil der mit mir eineinhalb Stunden im Auto eingesperrt war, der musste mir zuhören. Der sagte, ich solle zu jemandem gehen, der sich damit besser auskennt. Aber es war erstmal raus und ein Stück Angst weg. Ich habe dann mein Wirtschaftspraktikum hier in Sankt Nikolaus gemacht, bin zwei Wochen mit dem Kaplan mitgelaufen. Das war natürlich hochspannend für mich. Irgendwann mal zwischen Tür und Angel habe ich es dann meiner Mutter gesagt. „Du, ich glaub, ich möchte Priester werden.“ Ihre Antwort war: „Kein Problem, ich habe noch fünf andere Kinder, die Enkelkinder bekommen.“

Warum ist Ihr Alter für einen Priester etwas so Besonderes, wenn alle etwa denselben Weg gehen?
Das tun sie ja nicht. Es gibt nur noch wenige leider, die einen klassischen Weg gehen. Bei mir war einfach klar, dass ich das will. Viele entscheiden sich erst nach Ausbildung, Studium oder einigen Jahren im zivilen Beruf, Priester werden zu wollen. Gott ist nicht die große Stimme, die im Kopf widerhallt und sagt: Du sollst Priester werden. Ich denke, dass viele Leute zwar diesen Ruf hören, aber erstmal nicht so richtig antworten können. Bei mir kam dieser Ruf eben 2008, und auf diesen Ruf wollte ich antworten.

Und wie geht es nun nach der Weihe für Sie weiter?
Nach der Priesterweihe beginne ich das Lizenziat in Rom. Das ist ein vertiefendes Studium, das noch mal drei Jahre dauert. Danach bin ich dann irgendwo in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg eingesetzt als Kaplan, also als junger Priester.

Hatten Sie je Zweifel?
Natürlich, immer mal wieder. Man lässt sich auf eine Welt ein, in die man erstmal reinwachsen muss. Und es geht um Eignung: Kann der Mann in einer Gemeinde eine leitende Funktion übernehmen? Kann er am Altar stehen und die Sakramente feiern? Hat er die entsprechende Beziehung zu Gott? Das ist eine zutiefst persönliche Sache, die immer wieder durchgekaut und besprochen wird. Da gibt es immer mal wieder Krisen, wo man sich fragt: „Lieber Gott, wo bist denn du jetzt auf einmal hin?“ Aus der Krise komme ich irgendwann entschiedener raus. Im Laufe dieser sechs Jahre wurde es für mich immer passender. Man muss aber auch mit seinem Glauben ein bisschen ringen, um zu verstehen: Was ist meins darin?

Gibt es Leute, die Sie als Jungspund nicht ernst nehmen?
Ja, immer mal wieder. Ich weiß selber, dass ich mit 26 unmöglich einem 80-Jährigen Lebensratschläge geben kann, weil der sehr viel mehr Lebenserfahrung hat als ich. Das, was ich machen kann, ist Da-Sein und Zuhören. Und so ich das selber weiß, kann mich auch nicht persönlich treffen, wenn jemand meint, der junge Typ da soll erstmal was leben.

Wie stehen Sie als junger Mensch zum Thema „Ehe für alle“?
Fakt ist, es gibt Homosexualität. Viele meinen, dass alle Kirchenvertreter es für eine Krankheit halten. Das glaube ich nicht. Woher es kommt, ist eigentlich egal. Nichtsdestotrotz bin ich gegen die Ehe für alle, weil für mich da der Ehebegriff falsch angewendet wird. Diese Menschen sollen gern als Paare zusammenleben, aber wenn man das Ganze Ehe nennt, verwässert das unseren katholischen Ehebegriff, der in der Bibel klar ausdrückt, dass Mann und Frau sich verbinden, zu einem Fleisch werden und die Verbindung auf Nachkommenschaft ausgerichtet ist. Lebt zusammen - Wenn ihr euch liebt, ist das in Ordnung so.

Was halten Sie von Frauen und Priestertum?
Davon halte ich überhaupt nichts. Die Kirche sagt, und da stehe ich dahinter, weil Christus ein Mann war und das Priestertum ein Handeln in der Person Christi ist, ist es einfach nicht möglich, dass eine Frau das macht. Ich bin aber der Meinung, dass jeder in der Kirche seine Aufgabe hat. Und die Kirche ist mittlerweile darüber hinaus, Frauen nicht mehr als Ministranten zuzulassen, weil sie ihre Tage bekommen und nicht mehr im Altarraum stehen dürfen, wie das in der Antike war. Die Kirche kann sich verändern, sie kann aber nicht einfach ihr Fundament aufgeben. Denn sonst wäre sie nicht mehr Kirche, sondern beliebig.

Wie sehen Sie Ihre Aufgabe in der Kirche?
Ich wünsche mir keine volle Kirche, sondern eine Kirche, in der eine Gemeinde sitzt, die begeistert ist von Gott. Aber dafür muss den Menschen die Möglichkeit geboten werden, für Gott begeistert zu werden. Das ist die Aufgabe der Kirche. Ich kann versuchen, die Leute zu begeistern. Aber die Begeisterung machen kann ich nicht. Das kommt von den Leuten selber oder von Gott.

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