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Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche : Ein Haus zwischen Leben und Sterben

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche bietet Eltern mehr als nur ein Dach über dem Kopf in der schwersten Zeit ihres Lebens .

shz.de von
erstellt am 30.Jul.2017 | 18:00 Uhr

„Die Sache mit den Meerschweinchen“ und „Tagebuch einer Gänsemutter“ steht auf den Buchrücken im Regal. Bunte Blumenbilder hängen an den Wänden. Ein winziges Paar Kinderschuhe liegt auf dem Wohnzimmerschrank. Alles deutet auf Familienleben hin: Lärm, Lachen, Freude und Leben. Hier, im Forstweg 1, sind die Bewohner aber nicht immer so unbeschwert. Denn in diesem Haus ist auch der Tod zu Gast.

Das Elternhaus des Förderkreises für krebskranke Kinder und Jugendliche ist ein hell geklinkertes, freundlich anmutendes Wohnhaus an der Kreuzung Forstweg  /  Niemannsweg. Hier finden Familien dann ein Zuhause auf Zeit, wenn das eigene Kind an Krebs erkrankt ist und sich einer zum Teil Monate andauernden Behandlung am Uniklinikum unterziehen muss. Hier schöpfen Mama und Papa neue Kraft für den nächsten Tag am Krankenbett ihres Kindes. Und hier bietet der psychosoziale Dienst des Vereins nicht nur ein eingespieltes Dreier-Team aus Erzieherin, Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin sowie Sozialpädagogin, sondern auch vier Zimmer, zwei Bäder, eine Küche, ein Spielzimmer und eine Hobbywerkstatt. Das Elternhaus ist nur wenige Gehminuten von der Kinder-Klinik entfernt.

Sozialpädagogin und Kinderkrankenschwester Martina Jürgensen ist die gute Seele des Hauses. Ihr Aufgabenbereich reicht von Besuchen auf der Kinderkrebsstation der Kinderklinik und der Unterstützung von Geschwisterkindern über die sozialrechtliche Beratung der Familien bis hin zur Organisation von Veranstaltungen im Elternhaus für die kleinen Patienten und deren Schwestern und Brüder. Die Eltern in dieser schweren Lebensphase zu stärken, ist auch für die Stärke der jungen Patienten wichtig. „Und man kann nicht einfach zum Nachbarn gehen und darüber reden. Einige Eltern brauchen darum psychologische Unterstützung. Wir können vermitteln, wir sind Bindeglied und Zuhörer“, erklärt Martina Jürgensen.

Erzieherin Annette Petrauschke ist mit der Kinder-Tagesklinik am UKSH und dem Elternhaus im Doppeleinsatz: „Auf der Station beschäftige ich mich mit den Kindern und arbeite eng mit dem Personal zusammen.“ Daneben organisiert Petrauschke gemeinsam mit Martina Jürgensen Veranstaltungen mit krebskranken Kindern, wie Spielenachmittage, Weihnachtsfeste und Pyjama-Partys im Haus. Aber auch Ausflüge zum Jahrmarkt oder in den Tierpark gehören zu den regelmäßigen Aktionen für die Kinder – für das Gefühl von ein bisschen Normalität.

Annette Petrauschke betrachtet ihre Arbeit als Familienhilfe: „Ich fahre zu den Familien nach Hause, entlaste zum Beispiel die Mutter so gut es geht.“ Aber auch die Geschwister werden betreut: „Der Kontakt ist wichtig: Man redet viel, spielt mit dem Geschwisterkind“, erklärt sie. Dabei ist auch der Tod Teil ihrer Arbeit: „Wir unterstützen die Geschwister bei der Bewältigung, basteln ein Erinnerungsbuch mit ihnen und reden über den verstorbenen Bruder oder die verstorbene Schwester.“

Die Diagnose Krebs ist für Kinder unterschiedlich schwer zu fassen, weiß Erzieherin Annette Petrauschke: „Je kleiner die Kinder sind, desto besser gehen sie damit um. Jugendliche belastet das Thema ganz anders, sie wollen oft mit ihren Gedanken allein sein.“ Die Normalität geht während der Behandlung häufig für die Familien verloren, sagt Martina Jürgensen: „Sie sind lange fremdbestimmt gewesen und wir helfen anschließend dabei, wieder mit dem Alltag zurecht zu kommen.“

Für die Sozialpädagogin und ihre Kolleginnen ist die Arbeit erfüllend, wenn auch nicht immer leicht: Dreieinhalb Jahre hat Annette Petrauschke etwa eine kleine Leukämie-Patientin begleitet. Nach zwei Transplantationen ist das Mädchen jetzt gestorben: „Wenn Kinder sterben, ist es immer ein Schicksalsschlag. Meine Aufgabe war es, für dieses Kind da zu sein. Mehr kann ich nicht machen“, sagt Annette Petrauschke. „Ich kann es nicht heilen.“

Der Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche ist ein ausschließlich durch Spenden finanzierter Verein. Wer helfen möchte, erhält Infos unter www.krebskranke-kinder-kiel.de.


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