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Wasser in der Innenstadt : Ein Hauch von Venedig

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit dem Projekt „Kleiner Kiel Kanal“ will die Stadt das Zentrum aufwerten. Die Kosten liegen bei mindestens elf Millionen Euro, die Stadt muss nur ein Drittel schultern.

Kiel | Es ist eines der ehrgeizigsten, phantasievollsten und zugleich teuersten Projekte in der Stadtgeschichte. Mit dem sogenannten „Kleinen Kiel Kanal“, für den seit Jahren die Planungen laufen, soll in der Innenstadt eine neue Wasserfläche entstehen. Genau zwischen dem Bootshafen, der mit seiner terrassenförmigen Anlage nach der Sanierung von den Passanten gut angenommen wurde, und der Teichanlage am Kleinen Kiel soll das neue Projekt das maritime Flair verstärken. Ein Hauch von Venedig im Norden.

Die Baukosten schlagen mit schätzungsweise mindestens elf Millionen Euro zu Buche, wovon die Landeshauptstadt dank kräftiger Zuschüsse vermutlich ein Drittel schultern müsste. Bislang hat die Stadt nach Angaben aus dem Planungsamt weitgehende Zustimmung aus der Bevölkerung erhalten. Im Rahmen einer speziellen „Öffentlichkeitsbeteiligung“ sollen jetzt weitere Ideen für das Projekt gesammelt und bei Bedarf eingearbeitet werden. Dabei sind sich die Verantwortlichen darüber im Klaren, dass „die Bedürfnisse und Betroffenheiten bei den Akteuren (Anwohner, Einzelhändler, Gewerbetreibende) sehr unterschiedlich ausgesprägt sind“.

Das Stadtplanungsamt hat eine kleine Broschüre erstellt, in der sämtliche Investitionen in der Innenstadt aufgelistet sind. Dazu gehören neben dem „Kiel Kanal“ etwa die Umgestaltung des Holstenplatzes (1,3 Millionen Euro), die Aufwertung des Rathausplatzes (1,7 Millionen Euro), die Vorhaben am Klosterkirchhof und Klosterplatz (zusammen 850 000 Euro). Auch auf privatwirtschaftlicher Ebene sind erhebliche Veränderungen vorgesehen: Wohnraum an der Alten Feuerwache (35 Millionen Euro), das Schlossquartier (70 Millionen Euro) , der neue C&A-Block (60 Millionen Euro) oder auch das Treppenviertel neben dem Rathaus (35 Millionen Euro). Insgesamt kommt das Amt auf eine Summe von annähernd 330 Millionen Euro – da soll der „Kiel Kanal“ das runderneuerte Stadtbild im Zentrum weiter aufwerten.

Mit einem sechs Meter großen Modell im Maßstab 1:100 , das sich zurzeit noch in der Fertigung befindet, wollen die Planer im Rathaus die Werbung für das Projekt verstärken. Es soll die Vorstellungskraft der Bürger erhöhen und als Arbeitsmodell den angestrebten Veränderungsprozess dokumentieren. Die Macher sprechen davon, „Lust auf diesen neu entstehenden Stadtraum zu machen“. Marktstände auf dem Exer, eigene „Mitwirkungstage“ beispielsweise mit Schülern sowie Planungsspaziergänge mit neugierigen Teilnehmern sollen den Prozess auf dem Weg zum „Kiel Kanal“ begleiten.

Wo viel Wasser ist, wird der Raum für den Straßenverkehr kleiner. Die Umleitung des Individualverkehrs – Busse dürfen auch künftig passieren – bringt für die CDU Probleme mit sich, „die von den Stadtplanern totgeschwiegen“ werden. Die CDU-Rathausfraktion lehnt den „Kleinen Kiel Kanal“ ab, Fraktionsvize Rainer Kreutz erneuerte jüngst die Kritik an dem Projekt. Der städtische Anteil von 3,5 Millionen Euro sei angesichts leerer Kassen und städtischer Rekordschulden nicht zu vertreten, auch die jährlichen Unterhaltskosten von 200 000 seien nicht tragbar. Allerdings: Sollte die Bürgerbeteiligung mit einem klaren Ja für den „Kleinen Kiel Kanal“ enden, will die CDU das Ergebnis akzeptieren und das Projekt fortan konstruktiv begleiten.

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erstellt am 07.Okt.2014 | 22:45 Uhr

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