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Besuch im Klick-Labor : Ein Haar für die Wissenschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Klick-Labor der Kieler Universität macht den Nachwuchs vertraut mit chemischen Prozessen, die im Nano-Bereich ablaufen. Die Schüler lernen optische und chemische Schalter kennen, lassen heißes Wasser auf der Herdplatte tanzen und untersuchen den Aufbau ihrer eigenen Haare.

shz.de von
erstellt am 19.Jul.2017 | 18:42 Uhr

Tobias Plöger ist zuständig für die Sicherheitsbelehrung. Er klärt die jungen Besucher auf über die Notausgänge, über das Verhalten im Ernstfall und die Benutzung der Schutzbrillen. Die Schüler vom 11. Jahrgang des Alten Gymnasiums in Flensburg hören aufmerksam zu. Sie sitzen im sogenannten „Klick-Labor“ der Kieler Universität und werden sich gleich in Kleingruppen den Experimenten widmen. Und da kann es, wie etwa beim „Leidenfrost-Reaktor“, schon mal kräftig spritzen und auch mächtig heiß werden.

Neben dem Klick-Labor unterhält die Christian-Albrechts-Universität beispielsweise auch ein Ozean-Labor und ein Geo-Labor. Die Aufgabe dieser kleinen Forschungswerkstätten ist klar. Sie sollen den Nachwuchs an wissenschaftliche Arbeit heranführen und über die nackte Theorie hinaus mit der praktischen Labor-Tätigkeit vertraut machen. Jetzt, in den letzten Schultagen vor den Sommerferien, sind die Zeugnisse längst geschrieben. Lehrer wie Annette Pöllnitz aus Flensburg nutzen nur zu gern den Ausflug ins Kieler Klick-Labor. Dafür nehmen sie und ihre Schüler sogar eine zweistündige Anfahrt mit Bahn und Bus in Kauf.

Bei Klaus Ruppersberg, 24 Jahre lang Chemie-Lehrer an der Schleswiger Domschule und heute „abgeordnet“ zum Klick-Labor, erleben die Schüler die Gold-Nano-Partikel-Synthese. Sie können die Flüssigkeit auf der 400 Grad heißen Platte „tanzen“ lassen. Der Nachwuchs macht sich ebenso vertraut mit dem „chemischen Schalter“. Er findet sich in Kaffeebechern, die hitze-abhängig ihre Farbe ändern, oder auch in Brillengläsern, die in der Sonne nachdunkeln.

Mit speziellen Apparaturen können die Gäste auch die Schichtdichte der Seifenblasenhülle messen, sie liegt bei 500 Nanometern, das ist die Hälfte eines Tausendstel eines Millimeters. Das einzelne Haar, das sich Aaron und Morten gestern im Interesse der Wissenschaft aus der Kopfhaut zupften, ist mit 50 Mikrometern etwa 100-fach stärker. Am Rastertunnelmikroskop und am Rasterkraftmikroskop lassen sich diese Untersuchungen machen. Beide Geräte kosten jeweils schätzungsweise 20  000 Euro, diesen technischen Aufwand kann sich keine Schule leisten. Spätetens jetzt wissen die Schüler, wozu die anfängliche Sicherheitsbelehrung gut war.

Die Chemikerin Insa Stamer leitet das Klick-Labor. Die 28-Jährige will über die didaktischen Erfahrungen in der Experimentier-Werkstatt ihre Doktorarbeit schreiben. Das Klick-Labor lebt von der Neugierde der jungen Gäste. Insa Stamer und ihre Kollegen teilen den Schülern gleich bei der Begrüßung ihren Grundsatz mit: Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten. Diese Einstellung wissen auch die Flensburger Schüler zu schätzen.

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