Kieler Woche : Ein Fest auch für Gäste mit Handicap

Bei der Einsatzplanung: Monika Dankwa (v.r.) und Silke Waldow-Reimer.
Bei der Einsatzplanung: Monika Dankwa (v.r.) und Silke Waldow-Reimer.

Es ist ein Projekt des Kinder- und Jugendhilfe-Verbunds in Kiel: Ein kostenloser Begleitservice für Menschen mit Behinderung wird angeboten. Eine Langzeitarbeitslose aus Kiel berichtet, warum sie hilft.

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25. Juni 2014, 06:08 Uhr

Abgesperrte Rampen, hügelige Kabeltunnel, zugestellte Blindenwege – Menschen mit Handicaps haben es auf der Kieler Woche nicht gerade leicht. Damit sie dennoch das ein oder andere Konzert oder die Festmeile besuchen können, hat der Kinder- und Jugendhilfe-Verbund (KJHV) in diesem Jahr ein besonderes Angebot: Sieben Menschen wurden speziell für Ältere oder Menschen mit Handicaps geschult, um sie sicher und bequem über die Kieler Woche begleiten zu können.

Eine von ihnen ist Susann S. (46). Sie gilt als Langzeitarbeitslose, aber das spielt nur am Rande eine Rolle, denn das Projekt des KJHV läuft in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter. Susann S. hat Architektur studiert, als Architektin gejobbt, später im Kundencenter gearbeitet und gemerkt, „das ist nichts für mich. Ich möchte eigentlich im sozialen Bereich arbeiten“. Über eine Bekannte erfuhr sie von dem Projekt „Mensch trifft Mensch“, das weit mehr zu bieten hat als eine Behindertenbetreuung während der Kieler Woche. Die Idee erklärt UlrikeBerns, die Pädagogische Leiterin beim KJHV: „Wir haben uns überlegt, wie man alten Menschen, die oft alleine sind und niemanden mehr in ihrer Nähe haben, etwas Gutes tun kann.“ Es sollte ein Projekt mit Mehrwert sein, auch für diejenigen, die den Senioren helfen. „Mensch trifft Mensch“ war geboren. Seit 2008 begleiten nun schon extra geschulte Menschen – als „Ein-Euro-Job“-Beschäftigung bezahlt – rund 45 bis 50 Senioren. Jedes halbe Jahr, denn nur so lang dürfen in der Regel die „Ein-Euro-Job“-Verhältnisse dauern, werden bis zu 30 neue Arbeitslose ausgebildet, die Experten des KJHV als geeignet empfinden. Berns: „Unsere Senioren haben großes Vertrauen in uns. Und wir schauen uns die Menschen sehr genau an, in Vorabgesprächen, während der Schulung und in Qualifizierungsgesprächen.“ Sind alle Hürden genommen, achten die Projektleiterinnen Monika Dankwa und Silke Waldow-Reimer darauf, dass Teilnehmer und Senioren zusammenpassen. Waldow-Reimer: „Jeder, Ausgebildete und Senioren, hat jederzeit die Möglichkeit zu sagen, das passt nicht.“ Sie besucht die Senioren regelmäßig, um deren Bedarfe kennenzulernen und Kontakte zu pflegen. Die Grenzen für die Projektteilnehmer von „Mensch trifft Mensch“ sind nämlich eng: „Sie dürfen anderen keine Arbeit wegnehmen. Nicht für die Senioren einkaufen, aber mit ihnen. Keine Haushaltstätigkeiten machen, aber gemeinsam kochen wäre okay.“

Susann S. besucht derzeit drei Senioren: Zwei Frauen, davon eine im Rollstuhl, und einen Mann, der zwar mit seiner Frau zusammenlebt, die aber keine Kraft mehr hat, mit ihm im Rollstuhl spazieren zu gehen. „Ich finde es sehr spannend. Es ist, als wenn man neue Freundschaften schließt“, erzählt sie. Die Bedürfnisse der Senioren reichen von Gesprächen über Spaziergänge bis zum Vorlesen oder gemeinsamen Bummeln oder Theaterbesuchen. „Das ist so verschieden, wie die Menschen auch, aber sie sind immer dankbar, wenn jemand vorbeikommt“, sagt Waldow-Reimer.

Während der Kieler Woche ist sie nun auch im Einsatz, um andere Menschen zu begleiten, die ihre Hilfe und Unterstützung wünschen.

> Wer möchte, ruft an unter: 0431/53 03 66-0 oder -21. Das Büro ist montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 14.30 Uhr besetzt.

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