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Weco-Werk in Kiel : Ein Blick hinter die Kulissen einer Feuerwerks-Fabrik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Überall gibt es Raketen, Böller und Co. zu kaufen. Aber wo wird das Feuerwerk eigentlich produziert?

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2016 | 13:45 Uhr

Kiel | Sie arbeitet das ganze Jahr für einen Tag im Jahr. Astrid Marolds Arbeitsplatz ist seit dem Jahr 2002 eine Maschine, die es in Deutschland wohl so nur einmal gibt – in der Kieler Produktionshalle der einzigen Firma, die noch Silvesterfeuerwerk in Deutschland herstellt. Rund 1,4 Millionen Raketen verlassen pro Jahr das Weco-Werk am Kieler Stadtrand, und Astrid Marold sorgt dafür, dass sie auch gut fliegen, denn sie installiert den hölzernen Stab an den Feuerwerkskörpern.

Die Fabrikgebäude, in denen 30 Mitarbeiter das ganze Jahr über Bengalos, Raketen und Knallbonbons zusammenbauen, liegen ein wenig unscheinbar an einer Durchgangsstraße. Fast genauso unprätentiös wie die Gebäude, die zum größten Teil noch aus den 60er Jahren stammen, ist auch Betriebsleiter Jörg Thiele. „Das Geschäft für dieses Jahr ist schon seit September gelaufen. Wir liefern zwar noch Artikel aus, aber produzieren tun wir schon fürs nächste Jahr.“

Der Trend gehe immer mehr zu Feuerwerksbatterien, die noch vor den Raketen die beliebtesten Artikel seien. Auch Thiele mag sie: „Wenn ich überhaupt knalle, dann nehme ich solche. Die zündet man einmal an, und hat dann fünf Minuten etwas zum Gucken.“ Der Absatz bei Weco sei über die Jahre stabil, sagt Thiele. Rund 130 Millionen Euro geben die Deutschen pro Jahr für die Knallerei aus. „Böller sind nicht mehr so beliebt, die Leute wollen mehr Effekte“, sagt Thiele, der wie die meisten seiner Kollegen schon viele Jahre bei Weco arbeitet.

Die Saison ist für ihn vorbei: Jörg Thiele produziert schon Raketen für 2017.
Die Saison ist für ihn vorbei: Jörg Thiele produziert schon Raketen für 2017. Foto: Marcus Dewanger
 

Die Firma produziert noch an zwei weiteren Standorten, hat insgesamt 460 Mitarbeiter. Rund 40 Prozent der Artikel würden aus Material aus Deutschland gefertigt, der Rest kommt – wie könnte es anders sein – aus China. Es gibt aber auch ein Feuerwerkspaket, das nur aus deutschen Produkten besteht. Die Firma beliefert große Supermarktketten, hat aber auch in den beiden Tagen vor Silvester einen Fabrikverkauf. „Da gibt es bei uns ein Überraschungspaket, da steht die ganze Straße voll mit Autos“, sagt Thiele.

Die Gebäude sind besonders gesichert. Sie müssen einen Mindestabstand haben, denn immerhin können dort maximal 200 Tonnen Feuerwerkskörper gelagert werden. In einem Bunker, der noch aus dem Ersten Weltkrieg stammt, liegen allein drei Tonnen Schwarzpulver. Und der einzige Ort, wo gezündelt werden darf, ist das Gebäude der Qualitätsmanager, das täglich prüft, ob das Material korrekt abbrennt.

Thiele geht Sicherheit über alles. Mit wenigen Worten beschreibt der 51-Jährige, wie die 15 bis 20 verschiedenen Raketenmodelle entstehen, die eine einzige Nacht erhellen. Zunächst wird der so genannte Treiber gefertigt, das schmale Rohr, in dem die Zündschnur steckt wird mit Schwarzpulver gefüllt – in einem extra Raum, in dem nur ein Arbeiter zur Zeit produzieren darf.

Zehn Millionen dieser Treiber werden in Kiel pro Jahr hergestellt, der Großteil wird an die anderen Werkstandorte geliefert. Auf den Treiber wird der so genannte Effektkörper geklebt, der in einem weiteren Schritt von einer Arbeiterin per Hand mit dem gefüllt wird, was schließlich am Himmel gezündet wird – Bömbchen nennt Thiele das. Dann wird noch das spitze Hütchen aufgesetzt, bevor Astrid Marold den hölzernen Stil einbaut und die fertige Rakete in Sets verpackt wird.

„Die Leute wollen genau diese Sets, in denen sie die Raketen sehen können“, sagt Jörg Thiele. In diesem Jahr gebe es eine Neuheit – die Ultraleichtrakete. „Die fliegt etwas höher als andere und hat einen besonders guten Effekt“, sagt Thiele. Immer wieder seien die Pyrotechniker des Hauptwerkes in Nordrhein-Westfalen bemüht, neue Raketen zu designen, die Produktionsart bleibe aber immer gleich.

„Für die Menschen gehören Raketen einfach zu Silvester dazu – und das ist natürlich gut für uns“, sagt Thiele und schaut noch einmal zu Astrid Marold. Während er den Satz gesprochen hat, hat sie schon wieder drei Raketen fertig gestellt.

Vorsicht in der Silvesternacht: Die wichtigsten Tipps der Feuerwehr Hamburg für die Silvesterknallerei hier nochmal in der Übersicht und in einem Video:

  • Es sollten nur Feuerwerksartikel der Klasse I (Feuerwerksspielwaren) und der Klasse II gekauft werden. Artikel der Feuerwerksklassen III und IV dürfen nur von speziell geschulten und zugelassenen Personen gekauft und gezündet werden.
  • Auf keinen Fall sollten Feuerwerkskörper selbst gebastelt werden, appelliert die Feuerwehr. Auch das gleichzeitige Abbrennen mehrerer Knallkörper oder die Herstellung einer zusätzlichen Verdichtung in einem entsprechenden Behälter seien gefährlich.
  • Knaller und Raketen sollten nie in der Hand gezündet werden.
  • Gleichzeitig weist die Feuerwehr darauf hin, dass das Verwenden von Signalmunition und Seenotrettungsraketen sowie das Abschießen von Munition aus Schusswaffen jeder Art als Silvesterknallerei verboten sei.
  • Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern der Klasse II ist nur in der Zeit vom 31. Dezember 18 Uhr bis zum 1. Januar 1 Uhr erlaubt.
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