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Forschung : Ein Anstrich, der sich sehen lassen kann

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es ist eines der größten Probleme in der Schifffahrt: Seepocken, Algen oder Muscheln, die sich an Schiffsrümpfen festsetzen und ihre Lackschicht angreifen. Kieler Forscher haben jetzt ein Patentrezept entwickelt – ökologisch unbedenklich und reinigungsarm.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 18:33 Uhr

Für die Organismen, die sich an Schiffsrümpfen festsetzen, haben Experten den Begriff „Biofouling“ geprägt – der Wildwuchs erhöht das Gewicht des Schiffes und den Strömungswiderstand, der Treibstoffverbrauch steigt. Kieler Forscher haben jetzt eine Beschichtung entwickelt, die die Ansiedelung von Organismen erschwert und gleichzeitig die Reinigung der Schiffsrümpfe erleichtert.

Daran beteiligt sind Forschungsteams der Christian-Albrechts-Universität (CAU) und der Phi-Stone AG, einer CAU-Ausgründung. Der neuartige Ansatz wurde jetzt mit einem internationalen Preis für innovative Marinetechnologien ausgezeichnet. Viele der existierenden Schutzanstriche sind wegen ihrer massiven umweltschädigenden Wirkung bereits verboten, etwa zinnorganische Anstriche wie TBT (Tributylzinn). Das neue Kieler Produkt kommt ohne Lösungsmittel aus und gibt keine umweltschädlichen Substanzen ins Meer ab.

Die glatte Oberfläche erschwert es Organismen, sich an den Rümpfen anzuhaften und die Beschichtung anzugreifen. „So bleibt der biokorrosionsbeständige Farbanstrich länger erhalten. Seepocken oder Muscheln können einfach und schnell abgebürstet werden“, erklärt Dr. Martina Baum, Technische Biologin aus der Arbeitsgruppe „Funktionale Nanomaterialien“ von Professor Rainer Adelung, in der die Idee bereits vor einigen Jahren entstanden ist. Gemeinsam mit der Materialwissenschaftlerin Dr. Iris Hölken untersuchte sie die Eigenschaften von Polythiourethan (abgekürzt: PTU). Die Forscher testeten den Stoff zunächst in Wasserbecken von Geomar und dann an Schiffen. „Auf dem Schiff ‚African Forest‘, dessen Route von Belgien bis ins afrikanische Gabun führt, konnten wir nach zwei Jahren deutlich weniger Bewuchs feststellen. Und der ließ sich einfach mit einem Schwamm entfernen“, erklärt Martina Baum. Nächste Aufgabe der Forscher: die Entwicklung eines Sprühverfahrens, mit dem sich die Beschichtung leicht und großflächig auftragen lässt.

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