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Kiel denkt um : Eigene Gesellschaft für den Wohnungsbau

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flüchtlinge, Obdachlose, Studenten: Stadt will den Wohnungsmarkt besser steuern und dafür bessere Steuerungsinstrumente schaffen. Dabei hatte sie zur Jahrtausendwende die eigene Wohnungsbaugesellschaft KWG für gutes Geld verkauft.

shz.de von
erstellt am 21.Jan.2016 | 13:40 Uhr

Stadtrat Gerwin Stöcken hat seine Vorlage vorsichtig formuliert. Von neuen „verwaltungsorganisatorischen Strukturen“ für 200 städtische Wohnungen und die entsprechenden Haushaltsgelder ist die Rede. Doch dahinter steht offenbar die Idee, in Kiel wieder eine eigene städtische Wohnungsbaugesellschaft zu gründen. Darüber wird die Ratsversammlung heute Abend debattieren.

Um Etatlöcher zu stopfen, wurde zur Jahrtausendwende die städtische Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) mit ihren 11  800 Mietwohnungen für 250 Millionen Euro privatisiert. Erster Besitzer war die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG, die ihre Kieler Immobilien 2005 an die Blackstone Group verkaufte. Die KWG wurde zur Tochter der Vitus-Gruppe, seit 2014 gehört sie zur Annington-Gruppe.

Mit dem Verkauf der KWG hat die Stadt ihr Steuerungsinstrument auf dem Wohnungsmarkt aus der Hand gegeben. Das hatten im letzten Kommunalwahlkampf die Piraten und die Linke ausdrücklich bedauert und die Neugründung gefordert. Eine steigende Zahl von Flüchtlingen und Studenten, aber auch von Wohnungslosen hat jetzt zu Stöckens Initiative geführt. Die neue Gesellschaft könne dafür sorgen, dass bis Ende 2017 weitere 1800 Wohnungen nach dem sogenannten „Kieler Modell“ entstehen: preiswert, schnell errichtet und vielseitig nutzbar.

Die Städte im Umland sind dem Weg, den Kiel mit dem Verkauf eingeschlagen hat, meist nicht gefolgt. In Neumünster ist die städtische Wobau ein ständiger Gesprächspartner der Stadtverwaltung. Verwaltet werden 3300 eigene und weitere 800 fremde Wohnungen. Das ist von Bedeutung, muss die Stadt demnächst wohl selber Flüchtlinge unterbringen. Bislang war die Stadt wegen der großen Erstaufnahmeeinrichtung davon befreit.

In Eckernförde betont der Bürgermeister regelmäßig die gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinnützigen Wohnungsunternehmen (GWU), das über 2300 Wohnungen verfügt. Von den 50 Mietverträgen für Flüchtlinge übernahm das GWU einen Großteil. Im Rathaus wird die Errichtung der dreigeschossigen Typenhäuser nach dem „Kieler Modell“ geprüft. Für 1,7 Millionen Euro sollen auf 700 Quadratmetern 72 Menschen Unterkunft finden.

Auch in Eutin kooperieren die Baugesellschaften – Wankendorfer, Wobau Ostholstein, Baugenossenschaft Ahrensbök, Bau- und Siedlungsgenossenschaft Eutin – mit der Kommune. So hat die Wobau Ostholstein den Abriss von zwei alten Blöcken zugunsten der Unterbringung von Flüchtlingen verschoben.  

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