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Feuer : Ehepaar baut zerstörten Laden neu auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Brand nach Einbruch verursachte verheerende Schäden im Kieler „Schlemmermarkt“ . Nahezu alles muss erneuert oder saniert werden. Läuft alles wie geplant, kann im April wieder geöffnet werden.

Freier Blick auf die Holzbalken an der Decke. Kabel hängen herab. Baustellengeruch. Vom einstigen Schlemmermarkt Freund ist derzeit nichts mehr zu erkennen – lediglich ein Einkaufswagen steht noch im 1800 Quadratmeter großem Ladenraum. Sonst nichts: Kein Regal, keine Theke, keine Kühltruhe, keine Kasse. Stattdessen erhellen große Lampenschirme den Raum – anderes Licht gibt es noch nicht. Maler und Bauarbeiter werkeln an allen Ecken. Im Büro – eine Etage höher – rauchen die Köpfe von Imke und Marten Freund. „Verworfen und abgängig sind unsere Wörter 2014“, scherzt Marten Freund. So kommunizieren sie untereinander und mit den Handwerkern über Ideen, Neugestaltungen, Einkäufe.

Heute, knapp zwei Monate nach dem verheerenden Brand in der Silvesternacht, können sie wieder nach vorn schauen – voller Elan, „es geht weiter“. Doch die Erinnerung an die Schocknachricht sind noch präsent, auch nachts. „Neun Minuten nach sieben, wir wollten gerade mit Freunden essen, wurde ich von der Kieler Wach- und Sicherheitsgesellschaft angerufen“, erzählt Marten Freund. Damals vermutete er als erstes einen Einbruch, ließ sich von einem Freund zu seinem Geschäft in der Holtenauer Straße fahren, das Paar war ohne Auto zur Silvesterparty gegangen. Heute weiß er, dass der Bewegungsmelder abgebrannt ist, wegen des Feuers, dass der Einbrecher gelegt hatte, um seine Spuren zu verwischen. Noch auf dem Weg zu seinem Laden rief ihn die Polizei an: „Herr Freund, kommen sie schnell, ihr Laden brennt.“ Als er das hörte, wäre er am liebsten ausgestiegen.

Am Geschäft angekommen, war der Brand in der angrenzenden Bäckerei schon gelöscht. „Die Rauchentwicklung war das größte Problem“, sagt Freund. Der Rauch konnte nicht abziehen. Und das war es, was letztlich mehr als 60 Prozent der Ladeneinrichtung zerstörte. Freund: „Wenn Elektroleitungen und Plastik verbrennen, kommt es zu einer chemischen Reaktion. Es bildet sich eine Art Salzsäure, der klebrige Ruß setzt sich überall nieder, stinkt und sorgt für Rost.“

Ursprünglich wollten sie im Februar wieder eröffnen. Doch nach dem Besuch der Experten und Sachverständigen war klar, dass die gesamte Elektrik raus muss, die Decke runter, die darunterliegenden Holzbalken und Stahlträger extra behandelt werden müssen – es folgte die Ernüchterung. Tiefkühlmöbel, Kassen, Waagen, Regale – was nicht „nass saniert“ werden kann, wie der Fachmann sagt, muss neugekauft werden. Doch mit dem Schaden im Tradititionsgeschäft fiel auch ein Anfangsverdacht auf das Paar und ihr näheres Umfeld. Bis der nicht ausgeräumt war, zahlte auch die Versicherung nicht. „Wenn man die Gehälter der 90 Mitarbeiter, laufende Kosten wie an die Stadtwerke hat und gleichzeitig neue Einrichtung bestellen muss, ist das wirklich schwierig“, sagt Marten Freund. Den Ermittlern sei relativ schnell klar gewesen, dass Freund das Motiv für eine Warmsanierung fehlte. Sechs Wochen brauchte die Versicherung schließlich, bis sie zahlte. „Das war eine schwierige Zeit.“

Mittlerweile ist das Paar soweit, das Gute im Übel zu suchen: „Wir haben jetzt auch ein bisschen die Chance, den Laden komplett neu und auf den modernsten Stand zu bringen.“ Dafür nehmen sie selber nochmal 400 000 Euro in die Hand – allerdings auch mit einem weinenden Auge: „Erst 2007 haben wir für 700 000 Euro alles schick gemacht.“ Der Umbau sorgt für zusätzliche unruhige Nächte: „Wenn man langfristig einen Umbau plant, geht man damit schwanger, schaut sich verschiedene Läden und verschiedenste Modelle an. Die Zeit haben wir nicht, die Geburt hat uns sozusagen überrascht. Aber es ist eine Chance, die wir nutzen wollen“, sagt Marten Freund. Und die Kunden können beruhigt sein: „Einkaufen soll hier wieder ein Erlebnis werden. Für die Kunden ändert sich nichts.“ Eröffnen wollen sie im April, alles läuft dafür auf Hochtouren. Bleibt nur zu hoffen, dass die Kunden die Treue halten, wünscht sich das Paar.

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erstellt am 21.Feb.2014 | 04:39 Uhr

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