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Kleingartengelände Prüner Schlag : Droht Abriss trotz geplantem Bürgerentscheid?

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„Gepachtet, um zu bleiben“ - Kieler Kleingärtner wehren sich gegen Möbel Kraft.

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2013 | 17:39 Uhr

Kiel | „Dieser Garten wird noch genutzt – er ist 2013 und 2014 verpachtet!“ steht auf einem Holzschild an einer kleinen Gartenpforte. „Gepachtet, um zu bleiben“, ist an anderen Lauben auf dem Kleingartengelände Prüner Schlag zu lesen – das Gebiet, auf dem sich Möbel Kraft in Kiel ansiedeln will.

Der 78-jährige Rentner Günter Baumann hat den Kampf aufgegeben, er machte gestern die letzten  Aufräumarbeiten in seinem Häuschen. Am Montag gibt er die Schlüssel zum Grundstück ab. 22 Jahre hat er den Garten gepflegt, davor 20 Jahre sein Vater. Leicht fällt es ihm nicht, sagt er, aber er sei jetzt zu alt. Dass alles dem Erdboden gleich gemacht werden soll, sei schon ein komisches  Gefühl nach einer so langen Zeit.

Und das droht trotz zugelassenem Bürgerbegehren in der Tat: Nächste Woche sollen die Bagger anrollen, Container gebracht werden. Denn die Landeshauptstadt hat dem Antrag der Krieger Grundstücks GmbH auf  Abriss der 250 Gartenlauben zugestimmt, das bestätigte Bürgermeister Peter Todeskino gestern auf Nachfrage.

„Bürgermeister Peter Todeskino handelt respektlos gegenüber den Kielern, die das Bürgerbegehren unterschrieben haben“, sagt Björn Sander, ein Initiator des Bürgerbegehrens gegen die Ansiedlung von Möbel Kraft auf dem Kleingartengelände.  Todeskino entgegnet: „Egal wie der Entscheid ausgeht, die Hütten sind nicht mehr zu gebrauchen.“ Seine Gründe für den Abriss: Verkehrssicherung, Vandalismus und Plünderung vor Ort sowie „Gefahr für Leib und Leben“, sehen die Initiatoren nur als Vorwand. Ulrike Hunold: „Krieger hatte sich im Kaufvertrag zu Schutz und Pflege der Kleingärten verpflichtet. Dass jetzt die mangelnde Erfüllung dieser Pflicht den Krieger sehr genehmen Abriss von Lauben begründet, ist blanker Hohn!“ Möbel Kraft wolle Tatsachen schaffen und „das Schicksal des Kleingartengeländes vorschnell besiegeln“, sagt Initiator Jan Barg.

Diesen Vorwurf weist Dr. Gunnar George, Geschäftsführer von Möbel Kraft, zurück: „Alles, was intakt ist, bleibt stehen. Da fährt niemand mit dem Bulldozer durch.“ Es gehe lediglich darum, den ganzen abgeladenen Müll, umherliegende Bretterhaufen und kaputte Lauben zu entsorgen, um keine Gefahr für beispielsweise spielende Kinder zu haben. Das Gelände werde erst nach dem Bürgerentscheid baufertig gemacht, so George. Dem sieht der Geschäftsführer positiv entgegen: „Ich mach’ den Job seit 15 Jahren und wir hatten noch nie eine so fraktionsübergreifende Mehrheit wie in Kiel.“ Und er stellt klar: „Es ist ja nicht so, dass wir uns das Gelände ausgesucht haben. Die Stadt hat es uns angeboten, weil sie dort keine Kleingärten mehr wollte.“

Ob Möbel Kraft sich unweit der Autobahn und Ikea ansiedeln wird, haben die Kieler selbst in der Hand- acht Prozent der Wahlberechtigten wären ausreichend. Laut Piraten kann der Termin, wie von der Initiative gewünscht, mit der OB-Wahl zusammengelegt werden. Die Rathauskooperation (SPD, SSW, Grüne) wollen laut Antrag  den Bürgerentscheid mit der Europawahl am 25. Mai 2014 zusammenlegen.Constanze Emde

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