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Spielhallen und Wettlokale : Drei Zonen für das Vergnügen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Nachfragedruck von Spielhallen- und Wettlokalbetreibern steigt – Kiel will nun Anbieter rund um Rotlichtviertel, CAP und Spielbank konzentrieren. Der NDR äußert „erhebliche Bedenken“. Das Landesfunkhaus liegt am Rotlichtviertel.

Daddelhallen und Wettlokale, Striptease-Bars und Sex-Kinos – die Verwaltung will diesen Etablissements künftig in der Innenstadt die rote Karte zeigen. Sie befürchtet „unverträgliche Häufungen“ rund um die pulsierende Holstenstraße, den Alten Markt und Sophienhof. Dies könne zu einer schleichenden städtebaulichen Abwertung von Quartieren und Straßenzügen führen. Als Argument nennt die Stadt eine verstärkte Standortnachfrage besonders von Spielhallen und Wettlokalen im Kieler Zentrum. Das Rathaus sieht sich unter Zugzwang, will mit der Festlegung auf drei „Vergnügungs-Zonen“ am Rand der City Druck aus dem Kessel nehmen.

Es geht um die bereits bestehenden Konzentrationsbereiche „Vergnügungsviertel am Wall“ (Rotlichtviertel), das Areal rund um die Spielbank an der Kaistraße sowie das CAP am Hauptbahnhof. Sie sind Kern der neuen Vergnügungsstätten-Leitlinien, sollen künftig als eine Art Gutachten für Bebauungspläne dienen, erläutert Sven Graber aus der Stadtentwicklung im Rathaus. Zwischen 2012 und 2015 habe es sieben Bauvoranfragen, sechs Bauanträge sowie fünf mündliche Anfragen von Interessenten aus der Spielhallen- und Wettbüro-Branche gegeben, führt Graber aus. Sie hätten sich schwerpunktmäßig am Sophienblatt, der Andreas-Gayk-Straße und in der Eggerstedtstraße ansiedeln wollen.

IHK und Einzelhandelsverband begrüßen das Konzept. Doch es gibt auch Kritik – etwa vom Norddeutschen Rundfunk (NDR), dessen Landesfunkhaus an die Kieler Rotlicht-Ecke grenzt. In einer Stellungnahme äußert das vom NDR beauftragte Anwaltsbüro Oberthür & Partner „erhebliche Bedenken“ gegen den Entwurf. Man befürchte rund um den Wall eine „vermehrte und für die Umgebung nicht mehr tragbare Ansiedlung von Vergnügungsstätten“. Bereits jetzt gebe es dort neben drei Bordellbetrieben sowie zwei Sexkinos vier Spielhallen, zwei Wettbewerbsstätten und eine Diskothek. Eine städtebauliche Abwertung in diesem Areal sei unvermeidbar, folgern die Anwälte – gerade auch für das Funkhaus sowie für das geplante benachbarte Wohnprojekt Schlossquartier.

Sven Graber widerspricht. Das Vergnügungsviertel bestehe seit Jahrzehnten und sei etabliert, habe in der Altstadt nicht zu wertmindernden Effekten geführt. Die Fläche werde sich zudem nicht vergrößern. Graber sieht auch keinen Konflikt mit dem NDR: „Wir sind in Gesprächen.“

In der kommenden Woche wird das Konzept im Wirtschaftsausschuss diskutiert, Mitte Oktober könnte die Ratsversammlung die Leitlinien beschließen.

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