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Christian-Albrechts-Universität : Doppelter Abiturjahrgang - Landesregierung will Kieler Uni helfen

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Immer mehr Studenten, zu wenig Dozenten, einsturzgefährdete Fassaden - die Kieler Universität braucht Personal und Geld.

Kiel | Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat der Kieler Universität weitere Unterstützung in Aussicht gestellt. Dies gelte für den Sanierungsstau ebenso wie für die weiter steigenden Studentenzahlen, sagte Albig am Dienstag nach einer Kabinettssitzung im Wissenschaftspark auf dem Universitätsgelände. Konkrete Zusagen machte der Regierungschef aber nicht.

Die Lehrenden und Studierenden beklagen sich schon länger über die Situation an der Hochschule. Überfüllte Hörsäle, lange Schlangen vor der Mensa und marode Gebäude werden dabei genauso angeprangert wie zu wenig Lehrkräfte und ausfallende Seminare. „Symptome des jenseits seiner Belastungsgrenze arbeitenden Systems Hochschule lassen sich viele anführen“, heißt es in einem offenen Brief des Asta aus dem November 2014. „Vorlesungsartige Seminare, Fließbandbetreuung in den Sprechstunden der Lehrenden, Burnout-Fälle in der Studierenden- und Prüfungsverwaltung, Mittagessen auf dem Boden sitzend, verschimmelte Gebäude, Wettrennen um Bibliotheksarbeitsplätze und Bücher, kontinuierlich steigende Frustration bei allen Beteiligten, Medikamentenmissbrauch und ein immens steigender Beratungsbedarf.“

Uni-Präsident Prof. Lutz Kipp sagte, nötig sei entweder eine Aufstockung des Lehrpersonals um 200 Stellen, oder es müssten Eingangstests und Zulassungsbeschränkungen eingeführt werden. Albig betonte, bis 2016 - dann gibt es einen doppelten Abiturjahrgang - werde die Landesregierung gemeinsam mit der Hochschule eine akzeptable Lösung finden. Dies werde aber nicht einfach sein.

Laut Kipp sind die Studentenzahlen seit 2001 von 18.000 auf jetzt 25.000 gestiegen. Bis 2019 sei mit einem weiteren Anstieg auf dann bis zu 28.000 zu rechnen. Dieses hohe Niveau werde voraussichtlich bis 2025 anhalten. Die Betreuungsrelation der Dozenten zu den Studenten werde sich also ohne neue Lehrkräfte weiter verschlechtern, sagte Kipp. Mit 200 zusätzlichen Stellen lasse sich wieder das Niveau von 2001 erreichen.

Albig ließ offen, ob die Landesregierung von 2016 an Geld für neue Stellen bereitstellen werde oder nicht: „Das werden wir sehen.“ Kipp sagte auf die Frage, ob er mit Albigs Antwort zufrieden sei: „Ich brauche eine Lösung, dann bin ich zufrieden.“

Der hochschulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Volker Dornquast, kritisierte, „Albigs leere Sprüche lösen kein einziges Problem der Hochschulen im Land“. Der Haushalt 2015 sehe keine entsprechenden Mittel vor. Albigs jetzt zugesagte Lösungssuche komme viel zu spät. „Das zusätzlich erforderliche Lehrpersonal muss rechtzeitig bereitstehen.“ Die Stellenbesetzungsverfahren müssten jetzt anlaufen. Auch die Anmietung zusätzlicher Räumlichkeiten für die Lehre müsse noch 2015 erfolgen, sonst könne der Hochschulbetrieb 2016 nicht rechtzeitig anlaufen, so der CDU-Abgeordnete.

Wissenschaftsministerin Kristin Alheit (SPD) betonte die dringende Sanierung vieler Uni-Gebäude. Es könne nicht dabei bleiben, dass manche Gebäude ab Windstärke 10 gesperrt werden müssten.

Seit einigen Monaten gilt diese Anordnung für die sogenannten Anger-Häuser auf dem Uni-Gelände. Deren Fassaden gelten als einsturzgefährdet. Der direkte Bereich an den Fassaden ist abgesperrt, die Eingangsbereiche wurden sicherheitshalber überdacht. Laut Uni Kiel dürfte die Sanierung allein der Anger-Gebäude statt ursprünglich veranschlagter 58 Millionen etwa 109 Millionen Euro kosten.

Es sei sehr viel mehr Geld notwendig als die 165 Millionen Euro, die 2013 von der Landesregierung für den Sanierungsstau an der Kieler Universität zugesagt worden waren, sagte Alheit.

Die Ministerin und Albig hoben die große Bedeutung der Hochschule für Schleswig-Holstein hervor. Alheit will gemeinsam mit Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft gezielt fördern. Dazu soll ein Innovations- und Technologieforum Schleswig-Holstein gegründet werden.

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erstellt am 10.Feb.2015 | 17:00 Uhr

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