zur Navigation springen

Familienfreundlichkeit : Dienst und Spiele im Marinestützpunkt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Familienfreundlichkeit bei der Bundeswehr – wie geht das? Ein Besuch im Eltern/Kindzimmer beim 3./5. Minensuchgeschwader in Kiel.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2014 | 06:26 Uhr

Emil ist müde. Seinen blonden Schopf legt er auf den blauen Teppich, ab und zu schiebt der Dreijährige noch ein Spielzeug-Auto über den Boden. Gut für Obermaatin Katja Stöcklein (28). Jetzt kann sie den Spielbereich durch den kleinen Holzzaun verlassen und sich an den Schreibtisch setzen. Sie hätte Zeit, um ein paar Telefonate führen. Normalerweise kümmert die Zeitsoldatin sich im Geschäftsbereich um die Datenpflege von Personal oder um Besoldung. An diesem Tag läuft alles noch etwas schleppend. Es ist ihr erster Tag im Eltern/Kindzimmer beim 3./5. Minensuchgeschwader auf dem Kieler Marinestützpunkt. Für die nächsten zwei Wochen wird sie ihren Sohn zum Dienst mitbringen. „Es ist schon anstrengend“, gibt Katja Stöcklein nach einer längeren Einheit mit Basteln und Kuscheln zu. Aber es ist ja auch nur eine Notlösung – der Kita-Platz an ihrem Wohnort in Neudorf-Bornstein bei Gettorf ist erst zum 1. Februar frei. Eine Notlösung allerdings mit Komfort. Katja Stöcklein ist froh, dass es dieses besondere Zimmer mit zwei Computer-Arbeitsplätzen und Spielzone gibt. „Emil hat richtig große Augen gemacht, als er das Spielzeug sah.“

Die Familienfreundlichkeit bei der Bundeswehr ist Ursula von der Leyens (CDU) erstes, großes Thema, seit sie Verteidigungsministerin ist. Für eine bessere Vereinbarkeit von Dienst- und Familienpflichten will sie sich jetzt stark einsetzen. Dafür erntet sie Kritik, wie von der Linkspartei, die „familienfreundliche Militäreinsätze“ als „blanken Hohn“ bezeichnete. Die Grünen im Bundestag stellen die Finanzierbarkeit in Frage. Es gibt aber auch Lob, etwa vom Kieler SPD-Verteidigungspolitiker und Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels, der von der Leyens Pläne „richtig und überfällig“ nannte.

In Kiel wurden mit den Eltern/Kindzimmern die ersten Weichen für Familienfreundlichkeit bereits gestellt. Zwischen 2011 und Mitte 2012 waren die beiden Räume am Marinestützpunkt sowie einer im Bundeswehrdienstleistungszentrum in Eigenregie eingerichtet worden. „Ein gutes Dutzend Elternteile hat dieses Zimmer bei uns bisher genutzt, sagt Werner Vosgerau, Ausbildungsoffizier im 5. Minensuchgeschwader. „Noch hat es sich aber nicht so herumgesprochen.“ Teilzeit-Arbeit ist Fregattenkapitän Achim Winkler zufolge unter Soldatinnen und Soldaten in Kiel bisher weniger verbreitet. Zahlen gab es gestern dazu nicht. Die Elternzeit hingegen hätten bereits einige Angehörige genutzt.

Bei den rund 2400 Beschäftigten am Stützpunkt ist auch eine Einrichtung gefragt, die sich die „Fördewichtel“ nennt. Kinder unter drei Jahren werden in der Krippe in der ehemaligen Telefonzentrale des Marinestützpunktes in der Feldstraße betreut. Sie entstand ebenfalls 2011. Vorrangig kommen hier in zwei Gruppen bis zu 20 Kinder von Bundeswehrangehörigen unter. Geöffnet ist sie zwischen 6.30 und 17 Uhr und damit an die besonderen Dienstzeiten von Bundeswehrangehörigen angepasst. Das Angebot ist aber auch offen für andere Kieler Familien. Der Verein Pädiko leitet die Kita.

Bei Obermaatin Katja Stöcklein jedenfalls kommt der Vorstoß der Ministerin gut an: „Beim Thema Familienfreundlichkeit gibt es noch viel zu tun.“ Ihren Sohn hätte sie etwa gern bei den „Fördewichteln“ betreuen lassen. Doch Emil ist dafür schon zu alt.


 

 














 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert