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Die Zeitungslandschaft im Lande ist in den 1920er-Jahren äußerst bunt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 15:05 Uhr

1920 zählte man in Schleswig-Holstein ganze 75 Tageszeitungen. In elf Orten gab es zwei und mehr Blätter. Mit Abstand am auflagenstärksten waren um 1925 die deutschnationalen „Kieler Neuesten Nachrichten“ mit 65 000 Exemplaren. Das ebenfalls stark rechts orientierte „Rendsburger Tageblatt“, der liberale „Nordische Kurier“ in Itzehoe sowie die sozialdemokratische „Schleswig=Holsteinische Volks= Zeitung“ in Kiel folgten mit Auflagen von etwa 24 000.

Viele kleine Blätter in der Provinz bezogen fertige Seiten von Medienkonzernen: Der deutschnationale Alfred Hugenberg (1856 bis 1951) besaß ein mächtiges Medienimperium, das auch eine „Maternproduktion“ umfasste. „Matern“ waren in Pappe gepresste, fertig gesetzte Artikel, die am Zielort in Blei gegossen wurden; für Leser und Leserinnen nicht erkennbar, erreichten so ganze Seiten auf dem Postweg ihre Heimatzeitung. Als hochmodern galt der Bezug telegraphischer Texte, die von Hugenbergs „Telegraphen-Union“ aus Berlin über Telefonleitungen kamen.

In der Grenzstadt Flensburg gab es 1925 sogar fünf Tageszeitungen: die sozialdemokratische „Flensburger Volkszeitung“; den kleinen „Flensburger General-Anzeiger“; weiterhin wie seit 1869 den „Flensborg Avis“ mit dem deutschsprachigen, aber dänisch gesinnten „Schleswiger“ und schließlich die mit 17 000 Exemplaren stärksten, deutschnationalen „Flensburger Nachrichten“. 1922 hatte die „Konkordia“ in Berlin erhebliche Kapitalanteile gezeichnet, eine staatliche Tarnorganisation, die in nationalen Debatten die deutsch gesinnte Presse förderte. Auch andere Zeitungen profitierten von der heimlichen Grenzarbeit.

1929 gründete die regionale NSDAP ihre erste partei- eigene Tageszeitung, die „Schleswig-Holsteinische Tageszeitung“ in Itzehoe, eine Mischung aus politisch hetzendem Parteiorgan und Heimatzeitung. Insgesamt blieb bis 1933 die NSDAP-Parteipresse jedoch schwach. Aber: Die Mehrheit der „unabhängigen“ Zeitungen war längst auf NS-Kurs eingeschwenkt. 1931 zählte das Regierungspräsidium nur noch vier der 78 Zeitungen zum demokratischen Spektrum! Die Mehrheit der Blätter setzte längst auf einen neuen Staat!

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