Landgericht Kiel : Die Waren bestellt, erhalten, – aber nie bezahlt

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Vor dem Kieler Landgericht hat ein Prozess wegen Serienbetrugs begonnen. Der 39-jährige Angeklagte soll über Jahre hinweg Kunden übers Ohr gehauen und Mitarbeiter um ihren Lohn gebracht haben. Der Schaden geht in die Hunderttausende.

shz.de von
07. November 2018, 17:17 Uhr



Immer wieder der gleiche Vorwurf: „Er war weder willens noch fähig, die erhaltenen Waren zu bezahlen.“ Insgesamt über 200 Einzelstraftaten hält die Staatsanwaltschaft einem 39-jährigen Kieler vor, der über Jahre hinweg Kunden um ihre Produkte, Verkäufer um ihr Geld, Angestellte um ihren Lohn betrogen haben soll. Allein das Verlesen der Anklage beim Landgericht Kiel nahm anderthalb Stunden in Anspruch.

Als Beruf gab der 39-jährige Angeklagte, der in Untersuchungshaft sitzt, Weinhändler an. Anfangs soll er bei den Geschäften seine Weinhandelsfirma denn auch als Adresse benutzt haben, später kamen illustre Namen im Internetgeschäft hinzu. Die Anklage spricht von einem halben Dutzend „Scheinfirmen“, von verschleppten Insolvenzanträgen, von gepachteten Geschäftsräumen und unbezahlten Mieten. Sogar ein Schiff, die „MS Andreas Gayk“ , soll er für monatlich 1950 Euro gechartert, aber nie bezahlt haben.

Die Liste der Taten reicht vom Februar 2015 bis zum Januar 2018. Meist ging es um sogenannte „Router“, elektronische Geräte, die im Internet angeboten, verkauft, aber nicht ausgeliefert wurden. Laut Anklage hat der 39-jährige Geschäftsmann aber auch immer wieder selber Handys, Laptops, Telefone geordert und nicht bezahlt. Mitarbeitern hielt er die Sozialabgaben, den Lohn oder beides vor. Glück hatten da noch die Autohäuser, wenn sie die bestellten Fahrzeuge vor Auslieferung noch rechtzeitig einbehalten konnten. Der Gesamtschaden liegt offenbar bei mehreren hunderttausend Euro.

Wie es zu der anhaltenden Betrugsserie kommen konnte, wurde am ersten Prozesstag nicht angesprochen. Der Richter will zunächst gemeinsam mit Staatsanwalt und Verteidigung nach Wegen suchen, den Prozess abzukürzen und endlose Zeugenbefragungen zu vermeiden.

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