Kieler Zentrum : Die vierte Stadtgründung

Links hinter dem Zaun entsteht das südliche Becken des Kleinen Kiel-Kanals, rechts steht der rundliche Rohbau des Textil-Discounters Primark. Die Stadtführer Uwe Trautsch (l.), Manuela Junghölter und Jens-Olaf Beismann erklären die „Innenstadt im Wandel“.  Carstens (2)
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Links hinter dem Zaun entsteht das südliche Becken des Kleinen Kiel-Kanals, rechts steht der rundliche Rohbau des Textil-Discounters Primark. Die Stadtführer Uwe Trautsch (l.), Manuela Junghölter und Jens-Olaf Beismann erklären die „Innenstadt im Wandel“. Carstens (2)

Wenn die Bauzäune fallen: Auf speziellen Spaziergängen erfahren die Gäste, welche grundlegenden Veränderungen das Kieler Zentrum durchlebt. „Innenstadt im Wandel“ lautet der Titel der zweistündigen Touren.

shz.de von
15. März 2019, 19:21 Uhr



Zugegeben: Das Kieler Zentrum macht zurzeit nicht den schönsten Eindruck auf die Besucher. Stillgelegte Rolltreppen am Holstentörn, Sperrzäune an der Holstenbrücke, Baukräne und Bagger im Schlossquartier und am Bootshafen. Die Stadtführer von Kiel-Marketing allerdings begreifen das Szenario als Herausforderung. Ihr Angebot an die Gäste für die neue Saison lautet deshalb: Besuchen Sie mit uns die „Innenstadt im Wandel“!

Die aktuellen Veränderungen sind so einschneidend, dass die Experten bereits das Wort von der „vierten Stadtgründung“ bemühen. Nach der Kernzelle im Mittelalter rund um den Alten Markt, nach der Industrialisierung im 19. Jahrhundert mit dem riesigen Bevölkerungsschub und dem Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg erfindet sich Kiel wieder einmal neu.

Mit den neuen Wohnungen etwa an der Alten Feuerwache und auf dem Schlossquartier kehren die Menschen erstmals nach Jahrzehnten wieder ins Zentrum zurück, die Innenstadt wird belebter. Die Fußgängerzone Holstenstraße allein garantiert längst keine Besucher- und Umsatzzahlen mehr. Gefragt ist Unterhaltung, gefragt sind Veranstaltungen – Einkauf besitzt mehr denn je Erlebnischarakter.

Manuela Junghölter, Jens-Olaf Beismann, Björn Petersen und Uwe Trautsch stellen die Führungen „Innenstadt im Wandel“ auf die Beine (erstmals wieder am 23. März). Das kiel-kundige Quartett mag sich nicht mit jeder Entscheidung aus dem Rathaus anfreunden, aber das ist auch gar nicht nötig. Denn der Impuls der Stadtführer ist es, ihre Gäste auf die Veränderungen aufmerksam zu machen und die Entwicklung zu erklären. Etwa, dass die autofreundliche Innenstadt mit breiten Zufahrtsstraßen ausgedient hat.

Stattdessen setzt Kiel auf den Kleinen Kiel-Kanal mit seinen beiden künstlichen Wasserbecken. Hier werden künftig nur Busse passieren. Das südliche Becken soll bereits zur Kieler Woche fertig sein, das nördliche zum Jahresende folgen. Die Freigabe wird von allen Beteiligten als Meilenstein der Stadtentwicklung gewertet. „Es wird Leben dort sein“, freut sich Uwe Trautsch schon heute auf die kleine Wasserwelt, die immerhin stattliche 18,7 Millionen Euro kostet.

Doch das ist in den Augen der Stadtplaner und auch der Stadtführer eine sinnvolle Ausgabe. Eben weil sie private Investitionen in mehrfacher Größenordnung nach sich zieht. Arkaden an der Holstenbrücke, ein neues Wohnquartier und ein Hotel am Bootshafen – so soll die Zukunft aussehen. Manuela Junghölter erneuert deshalb das Angebot an Kieler wie an Gäste von außerhalb: „Werden Sie Zeitgenossen des enormen Wandels!“



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❍ Die zweistündigen Stadtführungen finden zwischen März und Oktober immer am dritten Sonnabend im Monat statt. Treffpunkt ist um 11 Uhr am Rathaus. Die Teilnehmerzahl liegt bei maximal 25 Personen, pro Nase kostet es 3 Euro. Anmeldung ist möglich bei Kiel-Marketing unter Tel. 0431 / 679 100. Dort können auch eigene Gruppenführungen zu anderen Terminen vereinbart werden.

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