Studio-Filmtheater : Die vielen Taler der Cineasten

Zwei Tüten Bargeld: Jeweils 1802,50 Euro halten Anke Wieboldt und Faissal Alzarzour in Händen. Mit ihnen freuen sich (von links) Elias Butrus, Regina Barthel, Matthias Ehr und Lena Stöcker.
Zwei Tüten Bargeld: Jeweils 1802,50 Euro halten Anke Wieboldt und Faissal Alzarzour in Händen. Mit ihnen freuen sich (von links) Elias Butrus, Regina Barthel, Matthias Ehr und Lena Stöcker.

Als das Kieler Studio-Kino sich an die Renovierung des großen Kino-Saals machte, schlug die Stunde der Cineasten. Die Filmliebhaber sicherten sich das alte Gestühl, an dem viele Erinnerungen hängen. Die Einnahmen spendete das Studio an zwei Hilfsvereine.

shz.de von
24. August 2018, 19:22 Uhr



Es gibt sie, die treue Gemeinde der Cineasten, der Filmliebhaber, die sich kaum eine Premiere entgehen lassen und sich im Programm-Kino richtig wohlfühlen. Als das Studio-Filmtheater in diesen Wochen den großen Saal renovierte und auch das Gestühl erneuerte, standen die Fans förmlich Schlange. Die Ankündigung zum Verkauf der altgedienten Kinositze fand reichlich Widerhall – und das Studio konnte am Ende 3605 Euro in den Spendentopf legen.

Insgesamt verfügte der Saal 1 über 246 Plätze. Die Kinositze waren nach vermutlich 35 Jahren mehr als eingesessen. Das genaue Alter konnten auch Matthias Ehr und Dennis Jahnke nur schätzen. Sie hatten Anfang 2009 das Studio übernommen und seitdem in Abschnitten modernisiert.

Die beiden Inhaber hatten auf die deutsche Fußball-Elf gesetzt. Das Finale der Weltmeisterschaft Mitte Juli sollte die letzte Übertragung im alten Kinosaal werden. Nun: Bekanntlich spielten die deutschen Elitekicker da längst nicht mehr mit – die Renovierung konnte deshalb 14 Tage früher starten.

Den ersten Zugriff auf die alten Stoffsessel hatten die Mitarbeiter im Kino. Der Rest ging in den freien Verkauf. Da machte es gar nichts, dass der Bezug überhaupt nicht mehr zeitgemäß war oder die Armlehne kleine Risse aufwies – die Anhänger des guten Kino-Films verbanden ihre persönlichen Erinnerungen mit dem Gestühl. Hier hatten sie ihre erste Filmpremiere erlebt, erstmals Händchen mit der Freundin gehalten oder – als es noch erlaubt war – ihre erste Zigarette geraucht. Die Sessel haben, weiß Matthias Ehr von seinen Gästen, im Flur, im Partykeller oder vor der heimischen Leinwand neue Heimstätten gefunden.

Der Verkauf wurde zur Spendenaktion: Die insgesamt 3605 Euro teilen sich die Kieler Hospiz-Initiative und der Verein Kulturgrenzenlos jeweils zur Hälfte. Beide Organisationen arbeiten ehrenamtlich. Regina Barthel und Anke Wieboldt von der Hospiz-Initiative wollen mit dem Geld vom Kino Ausgaben im Trauerbereich bestreiten. Lena Stöcker, Elias Butrus und Faissal Alzazour denken daran, das Studio-Präsent für gemeinsame Veranstaltungen mit hiesigen Studenten und Geflüchteten zu verwenden.

De Runderneuerung des Kino-Saals ist derweil abgeschlossen. Gut 100 000 Euro haben Ehr und Jahnke für moderne Stühle, den neuen Teppichboden und auch für den fälligen Anstrich der Decke ausgegeben. Sie war – höchst ungewöhnlich für ein Kino – in Weiß gehalten. Ab sofort schluckt die schwarze Lasur jede Lichtreflexion im Saal. Das funktioniert so gut, dass einige Besucher jetzt fest davon überzeugt sind, das Studio hätte auch die Vorführtechnik erneuert. Das aber, sagt Matthias Ehr, war gar nicht nötig.

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