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Lärm und Gestank : Die ungesündeste Ecke der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nur wenige Meter trennen die Wohnhäuser von der vielbefahrenen B 76: In einem Abschnitt des Theodor-Heuss-Rings liegt die Schadstoff-Menge über dem erlaubten Wert. Und mit Ikea XL und Möbel Kraft würde die Belastung noch steigen, kritisieren Umweltschützer.

Eigentlich weht ständig frischer Wind durch die Straßen, die Landeshauptstadt gehört zu den Städten mit der besten Luft. Doch es gibt selbst in Kiel laute und stickige Ecken. Sehr laute und stickige sogar. Beispielsweise die Kreuzung Schützenwall  /  Westring  /  Autobahn. Am schlimmsten trifft es einen Abschnitt am Theodor-Heuss-Ring. Hier liegt die Belastung mit gefährlichen Stickoxiden seit Jahren über dem gesetzlich zugelassenen Grenzwert. Das räumt auch Bürgermeister und Umweltdezernent Peter Todeskino ein: „Wir müssen aktiv werden.“

Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland) schlägt jetzt Alarm und wirft der Stadt eine „ausgeprägte Gleichgültigkeit“ vor. Die Organisation verlangt die Einführung einer Umweltplakette für Fahrzeuge und drängt außerdem auf eine Neubewertung der Erweiterungspläne von Ikea und der Baupläne von Möbel Kraft. Mit Hunderten zusätzlicher Fahrzeuge würde die Umweltbelastung für die betroffenen Anwohner weiter steigen. Wörtlich heißt es in der Erklärung vom BUND: „Die Stadt nimmt ihre Sorgfaltspflicht gegenüber ihren Bürgern nicht ernst.“

Diesen Vorwurf allerdings weist Todeskino strikt zurück. „Es handelt sich um eine punktuelle Belastung. Die übrige Stadtfläche ist aufgrund der guten Durchlüftung ohne Überschreitungen.“ Nach den übereinstimmenden Werten von BUND und Stadt liegt die Belastung im Einmündungsbereich der B  4  /  B  404 auf den Theodor-Heuss-Ring  (B  76) bei 64 Mikrogramm Stickstoffoxid pro Kubikmeter Luft. Im Jahresmittelwert wohlgemerkt, tagsüber und speziell zur Hauptverkehrszeit dürfte der Wert deutlich höher ausfallen. Den gesetzlich festgelegten Grenzwert von 40 Mikrogramm überschreitet der Standort damit um gut die Hälfte.

Das Messgerät steht direkt vor den Mietshäusern, die nur wenige Meter entfernt von der Straße liegen. Tagsüber wagt hier niemand, die Fenster zu öffnen. Zu groß ist der Lärm, der von der an dieser Stelle sechsspurigen Trasse der B  76 ausgeht. Dass mit Möbel Kraft und Ikea XL auch mehr Autos von Osten anrollen, bestreitet Todeskino nicht. Doch das Plus beziffert er auf 1000 Autos pro Tag – nur knapp ein Prozent des Gesamtaufkommens. Die B  76 war einst für 80  000 Fahrzeuge täglich eingerichtet worden, faktisch sind es gegenwärtig aber 105  000.

Die Einführung einer Umweltzone ist „kein geeignetes Instrument“, weil die Autobauer motorentechnologisch die Stickstoffreduzierungen nicht gewährleisten könnten. Und überhaupt: Die BUND-Kritik wertet er als Nachhutgefecht um die Möbel-Kraft-Ansiedlung, die bekanntlich vor zwei Jahren in einer Bürgerabstimmung endete. Der Umweltdezernent setzt auf Gespräche mit dem Land: „Wir arbeiten an der Fortschreibung des Luftreinhalteplans, der speziell den Theodor-Heuss-Ring im Auge hat.“ Todeskino verweist auf die benachbarte Bahnhofstraße, einen ebenfalls stark beanspruchten Standort, wo man die Abgaswerte reduzieren konnte. Mit einem Spezialasphalt, der Schadstoffe aufnimmt, und vor allem mit einer Einbahnstraßenregelung. Allerdings: Für den Heuss-Ring ist diese Art von Verkehrslenkung kaum vorstellbar.
 

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erstellt am 23.Mär.2016 | 18:20 Uhr

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