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Kita-Plätze : Die Stadt kann die Nachfrage der Eltern nicht decken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer mehr Einwohner zählt die Landeshauptstadt, auch immer mehr Kinder. Obwohl Kiel sich große Mühe gibt, kommt man mit dem Betreuungsangebot in Kitas und Krippen nicht hinterher. Es fehlen Plätze für den Nachwuchs.

Für Stadträtin Renate Treutel und ihre Mitarbeiter im Rathaus ist es eine vertrackte Geschichte. Sie schaffen fortwährend neue Betreuungsplätze in Krippen und Kindertagesstätten – im laufenden Jahr mit gut 400 sogar so viele wie noch nie –, aber sie laufen dem Bedarf in der Landeshauptstadt stets hinterher. Die Attraktivität der wachsenden Stadt und die relative große Zahl an Migranten (die nach erfolgreicher Flucht oft ihre Familien nachholen) sorgen für dieses stete Ungleichgewicht.

Die Prognosen der Bevölkerungsentwicklung stammen noch aus dem Jahr 2014 – und sind für die Kita-Planung kaum zu gebrauchen. Die aktuelle Zahl der Kleinkinder unter drei Jahren liegt mit 6960 um 250 über dem alten Kalkül, bei den Drei- bis Sechsjährigen sind es 400, bei den Grundschülern sogar 500 mehr als gedacht. Anders ausgedrückt: Die Größe der Kieler Kinderschar liegt um gut 1100 über dem „Soll“. Diese Entwicklung erinnert die Stadträtin an das Märchen vom Wettrennen zwischen Hase und Igel. „Überall, wo wir neue Kitas bauen, lächeln uns die Kinder bereits an und sagen: Wir sind schon da“, erklärt Renate Treutel.

Sie hat deshalb der Kieler Ratsversammlung, die gestern Abend tagte, den neuen Bedarfsplan vorgelegt – wohlwissend, dass die Schaffung neuer Kita-Plätze wichtiges Thema bleiben wird. 260 sollen es im kommenden Jahr sein. Mindestens. Denn wie die Jugendamtsleiterin Marion Muerköster ergänzt, sollen an vermutlich drei Standorten auf dem Stadtgebiet weitere Containerdörfer „mit quietschebunten Pavillons“ den Überhang an Kita-Anmeldungen abdecken.

Gegenwärtig liegt die Betreuungsquote bei den jüngsten Kielern im Krippenalter (bis drei Jahre) bei 37,3 Prozent – und damit trotz der Schaffung neuer Plätze unter dem Vorjahreswert von 37,7 Prozent. Auch im Elementarbereich der Drei- bis Sechsjährigen ist die Quote von 97,2 auf 96,5 Prozent gefallen. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach längerer Betreuung. Sechs bis acht Stunden sind die Regel, das früher übliche Vier-Stunden-Angebot hat in Kiel nahezu ausgedient.

Es gibt allerdings in diesem Zusammenhang auch positive Nachrichten. Aufgrund wachsender Landeszuschüsse ist der städtische Anteil an den Betriebskosten von knapp 55 Millionen auf 53,4 Millionen Euro zurückgegangen. Auch wenn man von der alten Drittel-Finanzierung – jeweils 33 Prozent zahlen die Eltern, der Kita-Träger und die Gemeinde – noch weit entfernt ist, wie die Stadträtin feststellt.

Bislang liegt stadtweit noch keine einzige Klage gegen das gesetzlich verbriefte Recht auf einen Betreuungsplatz vor. Nach den Worten von Stadträtin und Jugendamtsleiterin wird unentwegt nach Übergangsmöglichkeiten für die Nachwuchsbetreuung gesucht. „Wir tun, was in unseren Kärften steht“, betont Renate Treutel. Doch sie weiß auch, dass der Druck steigt. „Wir müssen damit rechnen, dass Eltern ohne Kita-Platz klagen werden.“  

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erstellt am 08.Jun.2017 | 20:01 Uhr

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