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Freie Rede : Die Spickzettel des Oberbürgermeisters

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Alle anderen Redner hatten ihre Beiträge zur Haushaltsdebatte säuberlich gedruckt – Oberbürgermeister Ulf Kämpfer dagegen liebt die freie Rede. Seinen 20-minütigen Beitrag bestritt er mit zwei Seiten voll bunter Notizen.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 18:09 Uhr

Alle hatten sie gestern ihre schönen Rede-Manuskripte rechtzeitig zur Haushaltsdebatte kopiert und auf der Pressebank verteilt: Kämmerer Wolfgang Röttgers, Hans-Friedrich Traulsen (SPD), Stefan Kruber (CDU), Lydia Rudow (Grüne), Marcel Schmidt (SSW), Christina Musculus-Stahnke (FDP) und Heinz Wieser (Linke). Einer machte nicht mit: Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Der Grund fürs Ausscheren: Der Verwaltungschef hat gar kein Rede-Manuskript – jedenfalls keins, das man in geordneten Zeilen von oben nach unten, von links nach rechts lesen könnte.

Kämpfer spricht am liebsten frei. Und wenn er schon mal für seine 20-minütige Grundsatzrede feste Anhaltspunkte braucht, verlässt er sich auf einige wenige Gedankenstützen. Pressesprecherin Annette Wiese-Krukowska machte gestern die „Mindmap“ ihres Chefs öffentlich: im Mittelpunkt der Haushalt 2016, drumherum eingekästelte Stichworte wie „Grundsatzbeschluss“, „Anstrengungen lohnen sich“ oder einfach „Ziel: Systematischer + stragischer vorgehen“. Dass er in aller Eile bei „4 Appelle“ einen Buchstaben vergessen hat, sei ihm verziehen – normalerweise sieht man seine Spickzettel ja auch gar nicht.

Der Haushalt der Stadt Kiel für das laufende Jahr hat ein Volumen von 939 Millionen Euro, 55 Millionen mehr als 2015. Knapp 45 Millionen Euro muss Kiel dafür an Krediten aufnehmen. Allerdings: Vor einem Jahr fiel das geplante Defizit ähnlich groß aus, am Ende des Haushaltsjahres konnte sich der Kämmerer über ein Plus von 17 Millionen Euro freuen.

Ähnliches erhoffen sich Röttgers und Kämpfer jetzt auch. Sie legten ein umfangreiches Investitionskonzept für die nächsten Jahre vor und wollen auch gut 270 „neue notwendige und erforderliche Stellen“ schaffen. Das fand Zustimmung bei der Ratsmehrheit aus SPD, SSW und Grünen, stieß aber auf erbitterten Widerstand von CDU und FDP. Im Manuskript von Stefan Kruber stand der „Titanic“-Vorwurf: „Sie steuern die Stadt Kiel mit Wucht und Wissen gegen den Eisberg.“

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