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Neues Forschungsschiff besucht Kiel : Die „Sonne“ gibt sich die Ehre

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der neue Star unter den Forschungsschiffen ist bis heute am Ostseekai zu besichtigen. Wir haben eine Kieler Erdbebenforscherin getroffen, die nächstes Jahr auf der “Sonne“ eine eigene Expedition nach Chile leiten wird.

Imposant glänzt der frisch in den Nationalfarben lackierte Bug im Morgenlicht. Zu Beginn des Besichtigungsprogramms – das auch heute von 10 bis 14 Uhr möglich ist – bildet sich gleich eine lange Schlange von Besuchern an der Gangway. Sie alle wollen die „Sonne“ sehen, wollen erfahren, was die 124 Millionen Euro teure schwimmende Forschungsplattform zu bieten hat.

Das erste, das ins Auge fällt: riesige, orangerot lackierte Kräne mit Greifern und andere Superinstrumente der Tiefseeforschung. Darunter ein Neuling namens „Goldeneye“ – James Bond lässt grüßen. Auch in 5000 Metern Tiefe kann der gelbe, riesige runde Sensor den Meeresgrund abscannen. Elektromagnetische Verfahren helfen dabei, Rohstoffe zu finden.

Weiter geht’s über den Hangar auf die Decks. Die „Sonne“ ist so weitläufig, dass man sich glatt verlaufen kann. Ihre Maße: Knapp 120 Meter lang, 21 Meter breit. Der Direktor des Kieler Geomar-Zentrums für Ozeanforschung, Peter Herzig, gibt sich an Bord beeindruckt von der Größe vor allem deshalb, weil es mehr Raum für Container gibt als auf dem Vorgängerschiff. Warum das wichtig ist? In den Containern lagert die technische Forschungs-Ausstattung, die teilweise für Jahre mit den 40 Wissenschaftlern und 35 Besatzungsmitgliedern über die Meere fährt – vor allem im Pazifik und Indischen Ozean. Auch der Kieler Tiefseeroboter ROV 6000 gehört dazu. Er wird ab dem 2. Dezember bei einer Probefahrt nach Las Palmas getestet.

Die Kieler Geomar-Forscherin Professorin Heidrun Kopp freut sich schon jetzt auf ihre Expedition auf der „Sonne“, die sie Ende 2015 nach Chile bringen wird. Mit neu entwickelten Mess-Instrumenten wird sie entlang der Plattengrenze – dort, wo sich die pazifische unter die südamerikanische Platte geschoben hat – in Tiefen von bis zu 6000 Metern Untersuchungen vornehmen. Die 41-Jährige ist Erdbebenforscherin. „In dem Gebiet entstehen die stärksten Erdbeben, die wir weltweit kennen“, erklärt sie. In Nord-Chile erwarten Geophysiker in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten ein starkes Beben. Heidrun Kopp wird die Expedition leiten, bei der Kieler Geräte zum Einsatz kommen. Riesige Transponder werden auf dem Meeresboden ausgelegt. Dort bleiben sie einige Jahre und registrieren, so die Hoffnung, minimalste Bewegungen im Vorfeld eines Erdbebens. Die „Sonne“ sei die ideale Plattform, schwärmt Kopp.

Das Kieler Forschungsschiff „Poseidon“, mit 65 Metern Länge etwa halb so lang wie die „Sonne“, soll indes bis Ende 2018 durch einen gut 90 Meter langen Neubau ersetzt werden. Aktuell wird die „Poseidon“ in einer Werft für rund eine Million Euro überholt, um den „Schiffs-Tüv“ noch einmal zu bestehen.

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erstellt am 28.Nov.2014 | 05:40 Uhr

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