SauberMänner : Die Schiermoker der Kieler Woche

Sorgen für Ordnung: Hans-Jörg Walter (v.l.), Deniz Igsen und Tim Brunnenkant vom ABK fegen in aller Frühe  die Überreste eines feucht-fröhlichen Kieler-Woche-Abends zusammen.
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Sorgen für Ordnung: Hans-Jörg Walter (v.l.), Deniz Igsen und Tim Brunnenkant vom ABK fegen in aller Frühe die Überreste eines feucht-fröhlichen Kieler-Woche-Abends zusammen.

Die Mitarbeiter des ABK sammeln täglich mehr als 30 Tonnen Müll von der Festmeile und aus der Förde – wir haben sie beim Dienst begleitet.

shz.de von
26. Juni 2014, 05:06 Uhr

Kiel | Wer zurzeit in den frühen Morgenstunden in Kiel unterwegs ist, dem sticht die Farbe Orange förmlich ins Auge. Fast alle Fahrzeuge und Menschen, die frühmorgens auf den Straßen unterwegs sind, kommen in dieser Farbe daher: Es sind die Stunden, in denen die Männer und Frauen des Abfallwirtschaftsbetriebs (ABK) dafür sorgen, dass die Kieler-Woche-Besucher tagsüber wieder eine saubere Stadt vorfinden. Bereits um drei Uhr in der Nacht wird damit begonnen, die Papierkörbe samt der Big Bellys sowie die rund 1000 zusätzlich zur Kieler Woche aufgestellten Mülltonnen zu leeren.

Ab fünf Uhr beginnt die Flächenreinigung: Mit Besen, Schaufeln, Laubpustern und Kehrmaschinen werden Plätze und Straßen von den Hinterlassenschaften der Gäste des Vortags befreit. „Alle rund 150 Mitarbeiter der Straßenreinigung sowie etwa 70 Fahrzeuge sind dann im Einsatz, wobei sich die Teams sternförmig von außen zur Innenstadt vorarbeiten“, wie Jürgen Monzer, stellvertretender ABK-Betriebsleiter, erläutert. Sowohl Monzer als auch Thorsten Babbe, Leiter des Teams, das am Morgen unter anderem den Asmus-Bremer-Platz wieder herrichtete, stellen fest, dass es im Gegensatz zu früher etwas weniger Müll geworden ist. „Die zusätzlichen Tonnen und die Big Bellys werden gut angenommen, insbesondere Glas fällt nicht mehr ganz so viel an“, sagt Babbe, der seit 24 Jahren beim ABK arbeitet, elf Jahre davon als Teamleiter. Auf die Frage, welcher Müll der schlimmste sei, verzieht der 50-Jährige etwas das Gesicht: „Der Urin und alles, was sonst oben und unten rauskommen kann in den dunklen Ecken liegen“. Dumme Sprüche von Passanten kommen selten. Manchmal kommt es vor, dass Angetrunkene den gerade zusammengefegten Haufen mit den Füßen wieder verteilen. „Dann kriegen die schon mal von mir den Besen in die Hand gedrückt“, sagt Thorsten Babbe schmunzelnd – „als erzieherische Maßnahme“.

Auch an der Kiellinie herrscht Hochbetrieb. Hier sind unter anderem Deniz Igsen, Tim Brunnenkant und Hans-Jörg Walter mit Besen und Laubpustern damit beschäftigt, die Abfälle dahin zu befördern, wo sie von den großen Kehrmaschinen aufgenommen werden können. Hinsichtlich der Kehrmaschinen weist Jürgen Monzer auf eine ganz Besondere hin, die der ABK zurzeit testet. Sie saugt den Müll nicht auf, sondern nimmt ihn mechanisch auf, wodurch auch große Gegenstände kein Problem darstellen.

Gearbeitet wird in zwei Schichten, denn bis 22 Uhr sind die Mitarbeiter im Einsatz. Im Einsatz auf der Innenförde ist seit 2004 auch täglich das Müllsammelboot „Schiermoker“, sowohl morgens von sechs bis acht Uhr als auch von 14 bis 22 Uhr. Dino Klösen (33), einer von drei ABK-Mitarbeitern mit Sportbootführerschein, und Rabia Sakiner (26) ergatterten sich einen der begehrten Dienste auf dem „Schiermoker“. Beide arbeiten normalerweise in der Verwaltung des ABK und hatten sich freiwillig zum Dienst auf dem kleinen Boot gemeldet. „Das ist kein unbeliebter Job bei den Mitarbeitern. Vor allem ist es eine Abwechslung zur sonstigen Büroarbeit“, so Klösen. Das meiste, was aus dem Wasser gefischt wird, sind Flaschen und Papier. Aber auch Matratzen, eine Sitzbank oder ein Bauchladen wurden schon aus dem Wasser geholt, wie das Bordtagebuch verrät. Egal ob an Land oder auf dem Wasser: Die Resonanz der Kieler Woche-Besucher ist fast ausschließlich positiv, wie alle bestätigen. Was wohl auch das mindeste ist – sorgt die „orange Truppe“ doch dafür, dass achtlos weggeworfener Müll verschwindet und die Besucher jeden Tag aufs Neue eine saubere Stadt vorfinden.

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