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Alte gute Sorten : Die Plantage mit den seltenen Äpfeln

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim Herbstfest am Sonntag können Besucher die reichhaltige Apfelwelt erkunden. Auf der Obstquelle in Rausdorf wachsen nicht weniger als 100 verschiedene Sorten. Aus dem üblichen Handel sind die meisten verschwunden.

shz.de von
erstellt am 04.Nov.2015 | 18:24 Uhr

Es sind seltsame Namen: Delbarestival, Spartan und Topaz, Rubinette, Jacob Lebel und Signe Tillisch, Goldparmäne und Rubinola, Herbstprinz und Ruhm von Kirchwerder – dahinter verbergen sich alte, oft vergessene Apfelsorten, die man im Lebensmittelhandel heute nicht mehr findet. Auf der Plantage der Obstquelle in Raisdorf allerdings gibt es sie noch, insgesamt gut 100 Sorten umfasst die Artenliste von Doris Schuster. Beim Herbstfest am Sonntag, 8. November, können sich die Gäste mit der Vielfalt der Apfelwelt vertraut machen. Sie können auch Fürst Blücher testen und sich in den Herbstprinzen oder den Geheimrat Oldenburg verbeißen.

Denn Probieren ist erwünscht, wie die Obstquelle-Chefin Doris Schuster sagt. Die 33-Jährige führt den Betrieb diekt an der gemütlich plätschernden Schwentine in dritter Generation. Den Anfang hatte Großvater Paul 1960 gemacht, als er den „Howaldtschen Apfelgarten“ pachtete, der einst mit dem Wasserkraftwerk gleich neben der legendären Papiermühle entstanden war. Vater Ernst übernahm 1979 mit der Obstplantage auch den Hang zu alten Sorten. Und das nicht nur, weil der Holsteiner Zitronenapfelbaum in jungen Jahren der beliebteste Kletterbaum war.

Der Ansatz, sich alten Apfelsorten zu widmen, hat viel mit den gängigen Marktmechanismen zu tun. Die wenigen Arten im Lebensmittelhandel lassen sich meist an einer Hand abzählen. Alle paar Jahre setzt sich eine neue Marke durch, dafür verschwindet eine andere. Boskoop, James Grieve, Ingrid Marie, Gala Royal oder Gravensteiner erlitten dieses Schicksal. Weshalb regelmäßig Kunden zur Obstquelle kommen, die hier den Apfel ihrer Kindheit kaufen.

Die Ernte auf der Obstquelle beginnt bereits im August mit den frühen Sorten. Der Mantett etwa gehört dazu, der Astramel, der Jamba oder der Summered. Die Lagerfähigkeit ist begrenzt, ein ausgeprägtes Aroma aber besitzen sie alle. „Viele Kunden wissen den Geschmack zu schätzen“, erklärt Doris Schuster. Und sie spricht noch einen ganz anderen Aspekt an. In der Branche macht man sich Gedanken um die Auswirkungen der industriellen Großproduktion. Viele Züchter hegen den Verdacht, dass mit den modernen Sorten auch das Risiko von „Kreuz-Allergien“ in der Bevölkerung steigt.

Dass Doris Schuster irgendwann die väterliche Obstquelle übernehmen würde, war vor Jahren alles andere als selbstverständlich. Als Schneiderin hatte sie beim Theater gearbeitet und auch für Dreharbeiten die Darsteller mit den richtigen Kostümen ausgestattet. „Hände weg von Mississippi“ hieß ihr bekanntester Film, bei dem sie zur Crew von Regisseur Detlef Buck gehörte. Dann aber entschied sie sich, auf den Familienhof nach Raisdorf zurückkehren und das (groß)väterliche Apfel-Erbe fortzusetzen. Mittlerweile wächst auch im Handel wieder die Nachfrage nach den alten Obstsorten – das macht ihr Mut.
 

Am Sonntag, 8. November, lädt die Obstquelle Schuster (Rastorfer Mühle 3, 24223 Schwentinental-Raisdorf) zum Herbst- und Erntedankfest ein. Besucher können auf dem Schusterschen Hof die Apfelsorten probieren, außerdem bauen die Produzenten der im Hofladen angebotenen Waren einen Regionalmarkt auf. Das Hofcafé sorgt fürs leibliche Wohl, hier sind auch die Säfte der haus-eigenen Mosterei erhältlich. Kinder dürfen Apfelsaft pressen und auf Ponys reiten. Für die Musik ist beim Herbstfest das „Ensemble ConnZärtlich” zuständig.

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