Christliche Fürsorge : Die Ordensschwestern nehmen Abschied

Im Februar geht es zurück nach Reinbek: Mit Schwester Hedwigis (88) und Schwester Hildegund (77) endet die Ära der Schwestern von der Heiligen Elisabeth in Kiel.  Fotos: Carstens (2)
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Im Februar geht es zurück nach Reinbek: Mit Schwester Hedwigis (88) und Schwester Hildegund (77) endet die Ära der Schwestern von der Heiligen Elisabeth in Kiel. Fotos: Carstens (2)

Schwester Hedwigis (88) und Schwester Hildegund (77) verlassen im Februar das Sankt-Elisabeth-Krankenhaus. Damit endet in Kiel die Ära der „Schwestern von der Heiligen Elisabeth“, die im Jahre 1958 begann.

shz.de von
22. Januar 2018, 18:54 Uhr

Zwei Wochen noch, dann ist für die beiden Ordensschwestern Hedwigis Stiller (88) und Hildegund Reich Schluss (77). Dann beginnt für die betagten Damen der mehr als verdiente Ruhestand – und für das Sankt-Elisabeth-Krankenhaus am Kieler Königsweg endet eine Ära beendet, die 1958 begann, als der katholische Frauen-Orden das Krankenhaus übernahm. Seit 2010 schon gehört das Beleg-Krankenhaus mit seinen 48 Betten zur Lubinus-Stiftung.

Mit normalen Maßstäben sind Schwester Hedwigis und Schwester Hildegund nicht zu greifen. Sie betrachten ihre seelsorgerische Tätigkeit in der Klinik nicht als Einkommensgrundlage, sondern als Dienst am Menschen. Schwester Hedwigis arbeitet sowieso ehrenamtlich, Schwester Hildegund wird zur Hälfte bezahlt. Ihr Gehalt geht an den Orden „Schwestern von der Heiligen Elisabeth“, von dort wiederum erhalten sie eine „Beihilfe“. Miete zahlen die beiden freundlichen Frauen nicht, sie wohnen im Krankenhaus.

Schwester Hedwigis stammt aus Schlesien, Schwester Hildegund aus Ostpreußen. Die Flucht prägte sie beide: das fünfjährige Kind ebenso wie das 17-jährige Mädchen. Früh bestimmte die Religion ihr Leben. Schwester Hildegund hatte ursprünglich die Missionsarbeit im Auge, aber dann blieb die gelernte Kita-Erzieherin doch in hiesigen Landen.

Die beiden Ordensschwestern in ihrem grauen Ordenskleid und dem langen Kopftuch, das sie „Schleier“ nennen und nur zur Nachtruhe abnehmen, geben keine Spritzen, setzen keine Nadeln und messen keinen Blutdruck. Sie kümmern sich dafür intensiv um das seelische Wohl der Patienten, sitzen am Bett der Kranken, halten ihre Hände – Aufgaben, für die den examinierten Kräften oft die Zeit fehlt. Stets am Mittwoch laden sie Patienten und Personal zu einer 15-minütigen Auszeit ein. Die Ordensschwestern organisieren ökumenische Gottesdienste und auch kleine theologische Seminare, bei denen es „um Gott und die Welt geht“.

In der Freizeit am Mittwochnachmittag oder am Sonntag gehen sie spazieren, fahren im kleinen Auto nach Laboe oder besuchen Kirchengemeinden. Sie schauen auch mal gerne in den Fernseher. Krimis sind bei ihnen beliebt, sofern „das Ergebnis stimmt“ – und keine offenen Fragen zurückbleiben. Mit der TV-Serie „Um Himmels Willen“ können Schwester Hedwigis und Schwester Hildegund wiederum nichts anfangen. „Das schauen wir uns nicht mehr an, so sieht das Leben im Orden nicht aus.“

Die „Schwestern von der Heiligen Elisabeth“ zählen deutschlandweit etwa 200 Mitglieder, Nachwuchs gibt es allerdings nur wenig. Deshalb wird der Standort Kiel aufgegeben. Vor Jahren schon zogen sich aus dem Antonius-Heim in Elmschenhagen die kirchlichen Schwestern zurück. Demnächst sind nur noch in der Liebfrauen-Kirche am Krusenrotter Weg drei Schwestern der Mauritzer Franziskanerinnen tätig.

Ihren Lebensabend werden Schwester Hedwigis und Schwester Hildegund im Altenheim in ihrer Ordenszentrale in Reinbek verbringen. Vielleicht findet sich sogar noch mal die Gelegenheit, Glaubensschwestern im norwegischen Hammerfest zu besuchen. Denn rüstig sind sie beide: „Die Arbeit im Krankenhaus hat uns jung gehalten.“

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