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21,16 Euro pro Nase und Jahr : Die meisten Knöllchen gibt’s in Kiel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Statistisch müssen die Menschen an der Förde am tiefsten in die Tasche greifen: Jeder zahlt durchschnittlich Bußgelder von 21,16 Euro jährlich. Zum Vergleich: In Lübeck liegt der Betrag bei der Hälfte, in Neumünster sogar bei nur einem Drittel.

Wer kennt das nicht? Weil sich beim Einkaufen oder spätabends auf dem Nachhauseweg kein freier Parkplatz mehr finden lässt, wird der Wagen an unerlaubten Orten abgestellt. Später erwartet den Fahrer dann das rote Knöllchen hinter dem Scheibenwischer. Die Einnahmen der Ordnungsämter aus Parkverstößen und auch durch Blitzer sind für Schleswig-Holsteins Städte und Gemeinden eine wichtige Einnahmequelle. Und die sprudelt in Kiel offenbar am kräftigsten. Insgesamt fast 5,13 Millionen Euro nahm die Stadt im vergangenen Jahr aus Knöllchen und Geschwindigkeitsverstößen ein.

Damit entfielen statistisch gesehen auf jeden Kieler 21,16 Euro – das ist Rekord in den vier kreisfreien Städten.„Ein Auge zudrücken können wir nicht“, sagt der Leiter des städtischen Ordnungsamtes, Frank Festersen. Hat Handball-Primus THW Kiel ein Heimspiel, fällt auch kundigen Kielern die Parkplatzsuche schwer. Dann gebe es einen „verstärkten Einsatz, um einigermaßen akzeptable Zustände in der Stadt herzustellen“, wie Festersen sagt. 24 Vollzeitstellen gibt es dafür im Ordnungsamt. Noch lukrativer sind die Blitzer. Damit nahm Kiel im vergangenen Jahr 3,14 Millionen Euro ein, davon 2,65 Millionen Euro durch mobile Blitzgeräte. Nach Abzug der Kosten verschafften elf damit beschäftigte Mitarbeiter einen Gewinn von  1,37 Millionen Euro.

Seit 16 Jahren schreibt Elke Marten-Meier in Kiel Falschparker auf. 40 Knöllchen sind für sie ein täglicher Durchschnittswert. Nicht jeder kommt mit ihrer Arbeit klar. Beschimpfungen stehen auf der Tagesordnung. „Man lernt damit umzugehen, aber in gewissen Situationen hilft das auch nicht“, sagt sie.  Wenn Rettungswege zugeparkt sind, gibt es kein Pardon. Das gilt auch während des größten Sommerfestes in Europa Ende Juni: Sonst liefe auf den Straßen während der Kieler Woche gar nichts mehr, sagt Festersen. „Aber auch dann versuchen unsere Mitarbeiter, Augenmaß zu bewahren.“

Mit 18,46 Euro pro Kopf mussten auch die Flensburger 2014 tief in die Tasche greifen. 1,68 Millionen Euro nahm die Stadt ein. „Die Aufgabe der Verkehrsüberwachung mag zwar nicht beliebt sein, aber sie ist richtig und wichtig“, sagt Stadtsprecherin Kathrin Ove.

Etwas geringer ist das Risiko, ein Knöllchen zu bekommen oder geblitzt zu werden, offenbar in Lübeck. Statistisch gesehen entfielen 2014 auf jeden Einwohner dafür 10,30 Euro. Insgesamt nahm die Stadt 2,22 Millionen Euro ein. Pro Jahr registriert das Ordnungsamt alleine 135  000 Parkverstöße. Etwas autofreundlicher scheint dagegen Neumünster zu sein. Vergleichsweise geringe 7,43 Euro für Knöllchen und Blitzer entfielen 2014 auf jeden Einwohner. Dort überwachen lediglich zwei Mitarbeiter in Vollzeit den Verkehr. Hinzu kommen fünf Teilzeitkräfte.

Übrigens: Wer in Kiel nur kurz parken muss, kann seit Oktober per Brötchentaste den Geldbeutel schonen. Dann spucken die Parkautomaten einen kostenlosen Parkschein aus, gültig für 30 Minuten.  

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erstellt am 17.Feb.2015 | 12:05 Uhr

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